„Meta“ lockt Massen ins Theater
Landesbühne 98 007 Besucher in 2009/10 – Finanzierung ab 2012 ungeklärt
von Martin Wein
FRAGE: Beim Theater denkt man in erster Linie an Kultur. Als Intendant müssen Sie vor allem ans Geld denken.
HESS: Die Leidenschaft ist mir trotzdem nicht abhanden gekommen. Aber ohne Geld hebt sich kein Vorhang. Wir haben vom Land die Zusage über einen außerordentlichen Zuschuss von 160 000 Euro, mit dem wir bis Ende 2011 finanziell gerade über die Runden kommen.
FRAGE: Von der Lokalpolitik wurde das als Etappensieg gefeiert. Ist es nicht eher ein Trauerspiel, dass die Zukunft der Landesbühne weiter auf der Kippe steht?
HESS: In jedem Fall ist es ein interessantes Schauspiel, denn die Grundkonstante bleibt: Eine Hälfte der Kosten trägt der Zweckverband, die andere das Land. Eigentlich sollten die Verhandlungen über den weiteren Etat im Dezember 2009 beginnen. Ich habe allerdings großes Verständnis dafür, dass sie durch den Ministerwechsel erst im September anfangen.
FRAGE: Welche Forderungen stellen Sie?
HESS: Wir sind nicht unbescheiden und halten uns an das, was in allen Resolutionen und Petitionen gefordert wurde: Wir können uns nicht mehr mit Sonderprogrammen von Jahr zu Jahr hangeln. Es muss einen angemessenen Sockelbetrag geben, der um die Tarifsteigerungen für unsere Mitarbeiter aufgestockt wird. Die Deckelung der Kosten muss aufhören.
FRAGE: Rechnen Sie sich dafür Chancen aus?
HESS: In der Landesregierung hat offensichtlich ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Während Minister Stratmann sehr auf die Metropolen geschaut hat, erkennt seine Nachfolgerin, Prof. Wanka, die Bedeutung der Kultur für die Fläche an.
FRAGE: In einer Region mit abnehmender Einwohnerzahl haben Sie ohnehin ein Problem, ihr Haus zu füllen.
HESS: Deswegen haben wir im vergangenen Jahrzehnt so stark auf die Jugendarbeit gesetzt. Es ist sehr erfreulich, wie viele Schüler unsere Vorstellungen besuchen. Eines ist jedenfalls klar: Wäre das Theater nicht, wäre die Abwanderung noch viel größer. Es war schließlich schon sehr eindrucksvoll, wie sich die Region hinter uns gestellt hat.
FRAGE: Macht sich das bei den Zuschauerzahlen bemerkbar?
HESS: Ja. Wir hatten mit 98 007 Zuschauern in der letzten Spielzeit das zweitbeste Ergebnis seit 1987. Das beste war 2003 mit rund 100 000 Besuchern.
FRAGE: Die Wirtschaftskrise hat sie also nicht belastet.
HESS: Im Herbst gab es eine Stimmung, sein Geld zusammen zu halten. Die hat sich dann aber zum Glück schnell verflüchtigt.
FRAGE: Und „Meta“ war der Kassenschlager der Saison?
HESS: Das können Sie laut sagen. Musicals laufen ja immer sehr gut, aber „Meta“ war mit 14 000 Zuschauern ein besonderer Erfolg. Und es ist noch nicht einmal abgespielt. Auch andere Stücke liefen besser als erwartet: „Schnee“ von Orhan Pamuk kam überraschend gut an oder „Die Frau am Meer“. Eine kleine Delle gab es beim Weihnachtsmärchen.
FRAGE: Sie inszenieren gerade selbst wieder einen Shakespeare-Klassiker. Fällt das schwer, wenn akute Geldsorgen drücken?
HESS: Wenn ich auf der Probe bin, bin ich ganz Regisseur. Es ist nicht ganz unproblematisch, zweimal am Tag zwischen der sehr subjektiven Regiearbeit und der möglichst objektiven Arbeit des Intendanten zu springen. Das ist wie Gehirnjogging. Andererseits ist es auch gut, wenn man als Intendant auch bei der künstlerischen Arbeit merkt, wie der Laden läuft.
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