Volle Fahrt voraus: Senioren geben Gas
Pkw-Orientierungsfahrt Aktiv teilnehmen dürfen nur Männer und Frauen über sechzig Jahre
von Mirja Zipfel
Ganderkesee - Fahrerin Roselies und ihre Freundin Rotraut, zwei rüstige Seniorinnen im Alter von 72 und 74 Jahren, können es kaum abwarten: Voller Vorfreude sitzen sie im Auto und warten auf das alles entscheidende Zeichen zum Aufbruch. Derweil habe ich es mir auf der Rückbank bequem gemacht und gucke aus dem Fenster. Zunächst zieht ein Porsche an uns vorbei, dann ein voll besetzter Wagen mit einem lebhaften Damengrüppchen. Roselies Hengstler, Rotraut Smidt und ich müssen noch warten.
Startnummer 22
Mein Eindruck: Bei der ersten offiziellen Pkw-Orientierungsfahrt – einer motorisierten Schnitzeljagd durch die Gemeinde Ganderkesee – geht es ähnlich zu wie bei der Formel Eins: Man fährt nicht einfach wild drauf los, sondern hält sich an eine klare Reihenfolge. Die Pole-Position wird allerdings von anderen in Beschlag genommen. Wir sind das Team mit der Nummer 22. Verloren haben wir damit noch lange nicht, versichert uns die Organisatorin, Erika Lisson vom Seniorenbeirat. „Wir wünschen uns, dass die Teilnehmer mit offenen Augen durch die landschaftlich sehr schöne Gegend fahren. Es geht hier nicht um Schnelligkeit.“ Roselies und Rotraut nicken verständnisvoll: Sie machen mit, weil sie die Tour genießen und neue Seiten einer ihnen vertrauten Region kennenlernen wollen.
Letzte Sekunden verstreichen. Das Teilnehmerfeld lichtet sich weiter. Doch dann heißt es auch für uns: Bitte anschnallen, Fuß aufs Gaspedal und volle Kraft voraus. So zumindest die Vorstellung, denn in Wirklichkeit haben wir schon nach der ersten Linkskurve Schwierigkeiten, den richtigen Weg auf der Karte zu finden. „Ich glaub’, wir hätten rechts lang gemusst“, mutmaßt Rotraut. Fahrerin Roselies ist verunsichert. Kurz angehalten, prüfender Blick auf die Karte und die Fahrt wird weiter fortgesetzt. Mahnende Worte gibt’ s dazu: „Achtet bitte auf die Schilder!“
Fähnchen zur Erkennung
Allmählich entfernen wir uns vom Ortskern. Laut Streckenplan müssen wir nur ein paar Kilometer gerade aus fahren, bis die Straße kurz vor Havekost einen scharfen Knick macht. Klingt einfach, ist es aber nicht. Das Problem: Unsere Karte hat keine eingezeichneten Straßennamen. Auf diese Weise wird unsere Fahrt fast zur Odyssee. Scheinbar ergeht es nicht nur uns so: Aus allen vier Himmelsrichtungen tauchen Autos mit dem typischen Rallye-Erkennungszeichen (bunte Fähnchen mit Startnummern) auf und kreuzen unseren Weg.
Genauso schnell wie sie auftauchen, sind sie auch wieder weg. Sich einfach an ein anderes Auto hängen, und sich von ihm den Weg weisen zu lassen, sei keine wirklich gute Idee, meint Roselies. „Ich trau den anderen Fahrern nicht.“
In gemächlichem Tempo bewegen wir uns fort. Das ist wohl nicht nach jedermanns Geschmack: Ein Seat – ebenfalls mit Fähnchen am Dach – überholt uns. Roselies Hengstler und Rotraut Smidt stört das weniger. Kritisch wird es erst, als wir unseren Streckenpunkt – den Gedenkstein „Steinkimmen 1259 - 2009“ nicht finden. Dreimal fahren wir besagtes Terrain ab – erfolglos. Der Stein ist und bleibt verschwunden. Die Stimmung im Team ist geknickt.
Aber nicht lange. Nachdem wir ein Drittel der insgesamt 75 Kilometer langen Wegstrecke zurückgelegt haben, machen wir einen Boxenstopp im Pflegeheim Ellerbäke. An dieser Stelle verabschiede ich mich von Roselies Hengstler und Rotraut Smidt. Für mich ist die Rallye vorbei. Für die beiden PS-starken Damen noch lange nicht: Sie hat der Ehrgeiz gepackt. Reichen soll es am Ende nicht ganz: Die Tour gewonnen haben Ingrid und Fritz Witte, gefolgt von Marlies Link/Marianne Wieting und Lisa Dierks/Helga Blobel.
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