Ein paar Geheimnisse gelüftet
Odd Fellows Fresenia-Loge lädt zu öffentlicher Sitzung in den Schlosspark ein
Obermeister Jörg Reents (am Pult stehend, Mitte) leitete die öffentliche Sitzung der Fresenia-Loge im Schlosspark. BILD: Atto Ide 
von Atto Ide
Jever - Ein wenig geheimnisumwittert sind sie schon: Die Logen. Was treiben sie in ihren Häusern? Sind sie wirklich Geheimbünde mit geheimen Zeichen und Ritualen?
„Ja und nein. Wir haben tatsächlich bestimmte Rituale, aber nur, um unserer Arbeit eine bestimmte Struktur zu geben. Und ein Passwort, das weltweit gilt, haben wir auch. Es dient allerdings nur dazu, dass ein Bruder sich in einem Logenhaus ausweisen kann. Da spielen wir tatsächlich ein wenig mit dem Geheimnis“, lüftete Obermeister Jörg Reents von der Fresenia-Loge zu Jever ein paar „Geheimnisse“ seiner Odd-Fellows-Bruderschaft.
Gerade der Fresenia-Loge kann man eigentlich keine Geheimniskrämerei vorwerfen. Seit ihrer Gründung im Jahr 2003 haben die Mitglieder immer wieder die Öffentlichkeit gesucht und zum Beispiel mit Vorträgen von Günter Schabowski oder der Tochter von Ulrike Meinhoff hochkarätige Referenten zu unterschiedlichsten zeitgeschicht- lichen Themen nach Jever geholt.
So war es nur konsequent, zum Stadtjubiläum eine öffentliche Logensitzung im Schlosspark zu präsentieren. „Das ist vielleicht Deutschlands erste öffentliche Logensitzung, in jedem Fall aber die erste Sitzung in strömendem Regen“, sagte Jörg Reents.
Zahlreiche Besucher nahmen die Gelegenheit wahr, einmal zu sehen, wie es in einem Logenhaus zugeht. Auch Gäste aus anderen Logen der weltweit verbreiteten Odd-Fellow-Gemeinschaft waren aus Groningen, Berlin und Neumünster angereist. In Person von Walter Kuttelwascher aus Bamberg war auch der Hochmeister des Deutschen Odd Fellow Ordens anwesend.
Streng festgelegte Formen, Sitzordnungen und Rollenverteilungen, die von Obermeister, Altmeister, Untermeister und Bruderaufseher überwacht und vorgegeben werden, bestimmten die öffentliche Sitzung im Schlosspark. Dabei stellten die Logen-Brüder, die im Frack und mit ihrer Funktion entsprechenden Schärpen erschienen waren, den Wertekanon ihrer Gemeinschaft vor.
„Freundschaft – Liebe – Wahrheit“ sind die höchsten Werte der Gemeinschaft und stellen für die Odd Fellows symbolisch Stufen der Erkenntnis dar, die nicht an bestimmte Glaubensrichtungen und Kultur gebunden sind.
Die Geschichte Jevers stand im weiteren Sinn im Mittelpunkt der Festsitzung. Neben einem Vortrag von Professor Dr. Antje Sander über die wechselvolle Geschichte der Stadt und die sehr unterschiedliche Sicht auf Fräulein Maria zu den vorherigen Stadtjubiläen im 19. und 20. Jahrhundert, sorgte William Pugh für den musikalischen Rahmen. Mit einem Schottenrock bekleidet, erfreute er die Besucher mit Liedern aus Schottland, Wales, Deutschland, Frankreich und Russland.
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