BRAKE, 17. Februar 2012


In großer Sorge um den Vater

Serie Margit Athing erlebte die Sturmflut von 1962 als Kind in Golzwarden


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Zu Hunderten stapelten Anwohner, Soldaten, Feuerwehrleute und freiwillige Helfer Sandsäcke gegen die Wassermassen.Margit Athing hat noch heute den kleinen Koffer, in den ihre Mutter vor 50 Jahren alle wichtigen Papiere getan hat, als die Flut kam. BILD: BILD: Archiv Hans WiechmannBinkenstein  Bild vergrößern

Am Abend des 16. Fe-bruar sorgte sich die Familie um den Vater. Am darauffolgenden Tag schaute sich die damals 10-Jährige das langsam fallende Wasser an.

von Sandra Binkenstein

Brake - Im Februar 1962 war Margit Athing zehn Jahre alt. Sie erinnert sich an den Tag, an dem die Sturmflut über das Land hereinbrach, als sei es gestern gewesen. „Schon den ganzen Tag tobte ein Sturm über Dorf und Land“, erzählt Margit Athing. Sie wohnte mit ihrer Familie in der ehemaligen Schule in Golzwarden. Am Abend machte sich ihr Vater auf den Weg zur Arbeit, er hatte Spätschicht.

„Wir machten uns Sorgen, ob er mit dem Fahrrad überhaupt heil ankommen würde. Sehr unruhig gingen meine Mutter und ich ins Bett.“ Gegen zehn Uhr am Abend fingen die Kirchenglocken an zu läuten. Die Familie wohnte direkt neben der Kirche, es war für sie also nicht daran zu denken, in Ruhe weiter zu schlafen. Also machte sich die Mutter daran, wichtige Dokumente, Kleidung und etwas zu Essen einzupacken. „Auch die Nachbarn waren alle bereit“, erinnert sich die heute 60-Jährige. „Das Geheul der Feuerwehr und das Geläut der Kirchenglocken war für mich schrecklich.“ Dazu kam dann noch die Angst um den Vater.

Marine-Soldaten aus Brake und alle Männer aus dem Ort seien bereits am Deich gewesen, erzählt sie. Die Familie blieb erst mal in Sicherheit, im großen Flur des Hauses. „Endlich kam mein Vater, die Schicht war vorzeitig beendet worden.“ Zusammen beschlossen sie, erst mal abzuwarten und zu Hause zu bleiben. Damals hatten die Schüler auch am Sonnabend Unterricht, doch die Schule fiel am darauffolgenden Vormittag aus.

Am Nachmittag des 17. Februar machte sich Margit Athing zusammen mit ihrem Vater auf den Weg zum Deich. „Wir hatten Glück, er hat gehalten“, sagt sie heute. Sie erinnert sich daran, wie die Mütze ihres Vaters von einer Böe erwischt und auf das langsam fallende Wasser geweht wurde.

Dieses Bild sieht sie noch heute vor ihrem inneren Auge. „Für uns Kinder war die Sturmflut auch ein Hauch von Abenteuer.“

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