Im Inselosten von Flut überrascht
Sturmflut 1962 Feuerwehrmann Karl-Engelhardt Kruse war im Dauereinsatz
von Melanie Hanz
Wangerooge - Karl-Engelhardt Kruse ahnte nicht was ihm bevorstand, als er am frühen Abend des 16. Februar 1962 mit einem Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr in den Osten geschickt wurde. Die beiden jungen Männer – Kruse war 24 Jahre alt – sollten das Deichschart in Höhe des Cafés Neudeich kontrollieren, da tagsüber die Flut hoch aufgelaufen war.
„Das Deichschart war geschlossen, das Wasser drang durch die Ritzen“, erzählt er. Die Flut stand knapp unter der Deichkrone. Doch eine Schadstelle konnten die beiden nicht entdecken – sie beschlossen, ins Inseldorf zurückzufahren.
„Dann sind wir steckengeblieben“, erzählt Kruse: Das Einsatzfahrzeug der Feuerwehr, mit dem die beiden Männer unterwegs waren, fuhr sich beim Wenden im aufgeweichten Boden fest – „das Wasser stand bereits gut 30 Zentimeter hoch“. Die beiden jungen Männer beschlossen, im Fahrzeug zu warten, bis möglicherweise jemand vorbeikommt.
Irgendwann erkannte Kruse schemenhaft einen Heuschober vorbeischwimmen. „Bald stand das Wasser auch im Fahrzeug“, erzählt er. Von der Düne, auf die sie sich geflüchtet haben, sehen die beiden, wie das Feuerwehrfahrzeug in der Flut versinkt. „Da haben wir verstanden, dass etwas nicht stimmt, und sind zu Fuß ins Dorf gelaufen“, sagt Kruse.
Doch als sie dort ankamen, sei alles zu spät gewesen: Um 20.40 Uhr war dort Katastrophenalarm ausgelöst worden, weil der Dorfdeich auf einer Länge von 200 Metern gebrochen war. Bis zu den Gleisen der Inselbahn stand das Wasser. Im Groden gelegene Häuser wurden komplett umspült und an der Siedlerstraße stand die Flut noch gut drei Meter hoch.
Für „Engel“ Kruse begannen drei arbeitsreiche Wochen: „Ich war dauernd für die Feuerwehr im Einsatz“, erzählt er: Um das Wasser aus dem Dorf und dem Groden zu bekommen, stachen die Wangerooger Feuerwehrleute Schlote und setzten alles an Pumpen ein, was sie hatten und vom Festland als Katastrophenhilfe bekommen konnten. „Wir wollten das Salzwasser möglichst schnell wegbekommen, damit nicht der ganze Boden versalzte“, so Kruse.
Die Einsatzkräfte der Feuerwehr sammelten gemeinsam mit den Pionieren der Bundeswehr ertrunkene Hühner ein, schoben Schlamm und räumten Trümmer weg. Wichtige Aufgabe war auch, das Dorf mit Süßwasser zu versorgen. Die Sturmflut hatte die Süßwasserversorgung beschädigt. Erst nach der Sturmflut bekam die Insel eine feste Trinkwasserleitung vom Festland.
Auch das abgesoffene Einsatzfahrzeug im Osten wurde übrigens geborgen: „Die Bundeswehr hat ihn leergeräumt und ins Dorf geschleppt. Dann wurde er repariert“, erinnert sich Kruse.
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