Wasser im dünnen Strahl aus der Wand
Serie Mit Sandsäcken Gemüsegeschäft am Stau geschützt – Sturmflut schwappt durch die Straßen
Der Garten als Seenplatte: Die Hausbäke war an der Graudenzer Straße über ihre Ufer getreten. BILD: www.Alt-Oldenburg.de 
von Thomas Husmann
Oldenburg - Während an der Küste und an Weser und Elbe die Rettungsarbeiten liefen und die Lücken in den Deichen gestopft wurden, glaubten die Oldenburger von der Sturmflut in der Nacht vom 16 auf den 17. Februar 1962 weitgehend verschont worden zu sein. Doch sie sollten sich täuschen.
Das Hochwasser nach der Sturmflut rollte am 17. Februar zwar nur noch zwei Meter höher als das mittlere Tidehochwasser auf, doch waren die Polder entlang der Hunte von der vorherigen Flut noch mit Wasser gefüllt. Das Hochwasser erreichte folglich mit voller Wucht das Stadtgebiet und setzte weite Teile des Bahnhofsviertels und Straßenzüge entlang der Hausbäke und Haaren unter Wasser.
Beispielsweise den Prinzessinweg in Eversten, wo Magdala Lücke eigentlich ihre Tochter zur Oma bringen wollte. „Ich bin aber nur bis zur Stadtbäckerei gekommen, dann stand alles unter Wasser“, erinnert sich die 74-Jährige. Mitten im Hochwasser war auch ihr Ehemann Hans unterwegs, der sich mit dem Rad den Weg durch die Wassermassen bahnte, um im Prinzessinweg die Post auszutragen.
Karin Bonenkamp (geb. Ahrend) hatte damals einen kleinen Obst- und Gemüseladen am Stau, ihr späterer Mann fuhr in der Nacht Taxi. Schon während der Nacht hatte er immer wieder die Höhe des Wasserpegels überprüft, der bedrohlich hoch war.
„In den Nachrichten hörten wir von der Überschwemmung in Hamburg. Als mein Mann morgens nach Hause kam, hat er die Wasserschutzpolizei angerufen. Man sagte ihm, so weit vorne am Stau hätten wir nichts zu befürchten“, schreibt sie.
Eine Fehlinformation, wie sich bald herausstellen sollte. Gegen Mittag sah Karin Bonenkamp wie das Wasser langsam über die Kaimauer stieg und besorgte sich vorsorglich schon mal ein paar Sandsäcke, weil der Laden und die Wohnung tiefer als der Bürgersteig lagen. Bonenkamp: „Als wir dann einmal nachsehen wollten, schwamm unser Teppich schon.“
Die Heizung war ausgegangen und die Spielsachen der Kinder schwammen mit Koks durcheinander. Das Wasser hatte sich den Weg durch die Wände des alten Fachwerks gesucht und gefunden.
Die Gaststätte „Zum grünen Baum“ lag höher. Der Keller dort war voll gelaufen und das Wasser kam in dünnen Strahlen durch die Wand in die Wohnung von Karin Bonenkamp: „Wir konnten nichts tun und saßen mit unseren zwei Mädchen ( Zwillinge ) von vier Jahren auf der Kartoffelkiste und dem Verkaufstresen und warteten bis spät abends die Ebbe einsetzte und das Wasser sich zurückzog.“
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