OFEN, 18. Februar 2012


Licht wird plötzlich zu purem Luxus

Sturmflut Günter Marzinzik erlebt dramatische Tage auf Norderney mit, Ute Müller an der Weser


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Nach einem Deichbruch in Warfleth half Ute Müllers Vater Heinz Drake (Bild rechts, unten) beim Füllen des Lochs mit Sandsäcken. BILDer: Ute Müller  Bild vergrößern

Der 71-Jährige arbeitete vor 50 Jahren als Malergeselle auf der Nordseeinsel. Dank seines Chefs hatte er – anders als die meisten Insulaner – Strom.

von Markus Minten

Ofen - Auch viele Ammerländer haben die Sturmflut 1962 aus nächster Nähe miterlebt – wenn auch nicht an ihrem heutigen Wohnort. Die Erinnerungen an die dramatischen Stunden und Tage sind auch 50 Jahre später kaum verblasst. So wie bei Günter Marzinzik, der heute in Ofen lebt.

Als 21-Jähriger hat er den 16. Februar auf der Insel Norderney erlebt, wo er als Geselle in einem Malereibetrieb gearbeitet hat: „Ich saß mit Freunden im Hafenlokal, es war etwa 22 Uhr, als es hieß: Raus hier, das Wasser kommt!“ Da war den jungen Männern die Gefahr noch nicht bewusst, auch wenn sie auf dem Weg in den Ort durch bereits knietiefes Wasser waten mussten. „Wir wollten zum Strand, um uns die sturmgepeitschte See anzusehen.“ Doch der Wind war stärker: „Der Sturm, der direkt von vorne kam, war so gewaltig, dass es uns die Beine wegriss und wir einfach weggeblasen wurden“, erinnert sich der 71-Jährige. Gegen die Naturgewalten schaffte es Marzinzik dann doch nach Hause, eine Gartenlaube außerhalb des Ortes. Und diese Abgelegenheit sollte sich als Glücksfall erweisen: Während auf nahezu der gesamten Insel gegen 23.30 der Strom ausfiel, brannte bei ihm noch Licht: „Mein Chef hatte eine Stromleitung zum nahe gelegenen Gaswerk gelegt. So war ich an die betriebseigene Stromversorgung angeschlossen. Was für ein Luxus in meiner bescheidenen Hütte.“

Den nächsten Tag verbrachten Marzinzik, seine Kollegen und viele andere Insulaner an der Strandpromenade, in die Sturm und Wasser große Löcher gerissen hatten. „Da für den Abend eine Springflut vorhergesagt war, mussten die Löcher mit Sandsäcken gesichert werden, die von Transportflugzeugen abgeworfen wurden.“ Da die See noch tagelang aufgewühlt war, konnte die Insel nur aus der Luft versorgt werden, erinnert sich der 71-Jährige. Und noch etwas ist ihm präsent: „Die begehrteste Ware waren Kerzen! Aber ich hatte Licht Etwas sonst Selbstverständliches war plötzlich purer Luxus.“

Gute Erinnerungen an den Februar 1962 hat auch Ute Müller, vor allem an einen Deichbruch an der Weser. Die Bad Zwischenahnerin war damals zwölf Jahre alt. „Meine Eltern betrieben in Hekeln, Gemeinde Berne, ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen. Da mein Vater über die nötigen Fahrzeuge verfügte, wurde er mit seinen Mitarbeitern zur Deichsicherung eingesetzt. Der Deich brach in Warfleth und zerstörte ein Haus, das direkt am Deich stand. Das große Loch im Deich musste schnell mit Sandsäcken gefüllt werden, um bei einer erneuten Sturmflut das Hinterland zu sichern.“

 @ Mehr Berichte zum Thema unter http://www.NWZonline.de/50-jahre-sturmflut

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