KLEINENSIEL, 21. Februar 2012


Mit Stroh gegen die Wucht des Wassers

Sturmflut Hans-Helmut Bucken aus Kleinensiel erlebt die Naturkatastrophe als Bundeswehr-Sanitäter


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Zerstörter Deich: Wie hier in Augustgroden sah es auch in Ostfriesland aus, wo Hans-Helmut Bucken (kleines Bild, mit Orden) die Löcher mit Stroh stopfen musste. BILD: privat/Martin Fitzl  Bild vergrößern

1962 war er in Leer stationiert. In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar ging der Alarm los.

von Martin Fitzl

Kleinensiel - Eigentlich wollte Hans-Helmut Bucken am 17. Februar 1962 auf die Grüne Hochzeit von Bekannten gehen. Eigentlich wollte der damalige Bundeswehrsoldat nur einen Tag frei haben. Dann kam die Sturmflut.

Am 1. Januar 1962 kam der heute 70-Jährige zur Bundeswehr nach Leer, zu den Sanitätern. Am 16. Februar waren er und seine Kameraden auf einer 36-Stunden-Übung, doch die wurde abgebrochen: Der Sturm, Vorbote der Flut, war zu heftig.


Häuser unter Wasser
Abends gegen 23 Uhr fragte ihn ein Kamerad aus Gelsenkirchen: „Du kommst doch von hier oben, kann bei dem Sturm nichts passieren?“ Schon eine halbe Stunde später ging der Alarm los: „Wir waren ruck zuck auf den Krankenwagen.“ Es ging nach Papenburg, bei stockfinsterer Nacht. Auf der Straße, die heute zur Meyer-Werft führt, sah Hans-Helmut Bucken zum ersten Mal die Ausmaße der Flut. „Linker Hand war alles noch trocken, aber rechts standen die Häuser schon unter Wasser“, sagt er.

Pioniere aus Meppen waren bereits da, die die Flutopfer aus dem Wasser zogen. Als Sanitäter musste Hans-Helmut Bucken sie im aufgeheizten Krankenwagen mit Decken wärmen und versorgen.

Auf einmal, so erinnert sich der 70-Jährige, wurde alles hell. Jemand war mit seinem Boot gegen einen Strommast gefahren. Das Kabel riss, das Wasser stand unter Strom, der Mann bekam einen Schlag und starb. Hans-Helmut Bucken hat das noch sehr deutlich in Erinnerung.

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Am nächsten Morgen wurde Hans-Helmut Bucken mit seiner Einheit nach Pilsum in Ostfriesland verlegt. Dort mussten sie die Deiche flicken. „Hier wurde mit Sandsäcken geflickt, dort mit Stroh“, erinnert er sich. Da Hans-Helmut Bucken ostfriesisches Platt verstehen und sprechen konnte, wurde er eingeteilt, das Stroh von den Bauern zu holen. Etliche Tage brachte er am Deich zu. Am Ende haben seine Kameraden und er eine Flasche Doornkaat als Dankeschön für ihren Einsatz bekommen. Einen Sturmflut-Orden bekam er im Nachhinein: Auf einem Lehrgang in Itzehoe wurde ihm die Medaille verliehen.


Orden verliehen
 @ Spezial unter http://www.NWZonline.de/50-jahre-sturmflut.de




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