PEKING, 23. Februar 2010


Chinas Hacker-Branche boomt

BETRUG Angriffe auf Suchmaschine rücken die Industrie wieder in den Fokus


DER MARKT WIRD AUF EINE MILLIARDE EURO GESCHÄTZT. ONLINE-SPIELE SIND HAUPTZIEL VON ANGRIFFEN.

VON ANDREAS LANDWEHR

Peking - Hacker finden im chinesischen Internet alle möglichen Trojaner-Programme und andere Hilfen, um Computer auszuspionieren. Die Größe des chinesischen Marktes für solche Cyberwerkzeuge wird offiziell auf zehn Milliarden Yuan (eine Milliarde Euro) geschätzt. Hauptziel sind Online-Spiele. Der Hacker stiehlt über solche heimlich eingeschleusten Programme die Benutzerdaten eines Spielekontos, klinkt sich ein und verkauft die mühsam erspielten, virtuellen Güter auf Online-Börsen. 95 Prozent der Einnahmen durch Trojaner-Attacken sollen aus den Online-Spielen stammen, schätzen Experten.

Die Kontroverse um die Angriffe auf den Internetkonzern Google hat ein neues Schlaglicht auf die boomende Hacker-Industrie in China geworfen. Die Experten von Google vermuten die Urheber der Attacke in China, was die Regierung in Peking aber als unbewiesen zurückweist. Der Streit ist stark politisiert, weil Google als Konsequenz sein China-Geschäft auf den Prüfstand gestellt hat und sich in Zukunft in China nicht mehr selbst zensieren will.

Die chinesische Propaganda lässt daher nichts unversucht, um zu demonstrieren, wie hart in China gegen Cyberverbrechen durchgegriffen wird. Viele Webseiten bieten aber weiter unbehelligt Dienste und Spionageprogramme an. Hacker-Training ist in China fast eine Industrie geworden. Es wird mit Fahrschulen verglichen. Fahrlehrer brächten Studenten das Fahren bei. Ob sie später sicher das Auto steuerten oder jemanden durch einen Unfall töteten, könnten sie nicht sicherstellen. „Es gibt einen großen Untergrund-Markt, und große Einnahmen stammen aus dem Verkauf von Konten und virtuellen Gütern von ausspionierten Computern“, sagte Zhang Yumu, Vizepräsident der chinesischen Anti-Virus-Firma Rising, der „China Daily“.

Neben den Hackern, die Online-Spiele abzocken, gibt es auch jene, die Bank- und Kreditkarten-Daten ausspionieren oder einfach ihr Können beweisen wollen. Die USA sind überzeugt, dass Hacker auch im Dienste staatlicher Stellen und des chinesischen Militärs stehen. „Eine große Menge an Indizien und kriminaltechnischen Beweisen weisen deutlich auf eine staatliche Verwicklung in solche Aktivitäten hin – entweder durch direktes staatliches Handeln oder durch andere Gruppen, die vom Staat unterstützt werden“, hieß es in einem Kongressbericht.

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