LOS ANGELES, 7. Januar 2010


Blick auf Katastrophen der Zukunft

KRIMI-SERIEN Neue Folgen für Deutschland – Andere Länder übernehmen einfach Originalfassungen


DIE OFT VERZÖGERTE AUSSTRAHLUNG IN DEUTSCHLAND SORGT FÜR SCHLECHTE QUOTEN. IM FRÜHJAHR STARTEN WIEDER EINIGE STAFFELN.

VON FRANK JACOB

Los Angeles - Die Welt steht Kopf. Glassplitter prasseln auf FBI-Agent Mark Benford (Joseph Fiennes) herab, der versucht, sich aus seinem auf dem Kopf liegenden Auto zu befreien. Um ihn herum ein Katastrophenszenario: Verletzte, Tote, Menschen, die um Hilfe schreien.

Die ersten Sekunden der neuen Serie „FlashForward“ zeigen eindrucksvoll, wie US-Produktionen seit Jahren Maßstäbe im Fernsehen setzen – sowohl erzähl- als auch produktionstechnisch. Viele der aufwendig gedrehten Formate sind (meist mit einem Jahr Verspätung) auch in Deutschland zu sehen. Deshalb lohnt der Blick auf das TV-Jahr in den USA.

Pro7 hat sich bereits die Rechte an „FlashForward“ gesichert, das als möglicher „Lost“-Nachfolger gehandelt wird. Es soll wohl ab dem Frühjahr montagsabends zu sehen sein. Noch schneller hatte sich „NCSI: Los Angeles“ international verkauft. Die Serie, in der speziell ausgebildete und mit hochmoderner Technologie ausgestattete Agenten undercover ermitteln, wird ab dem Frühjahr bei Sat 1 laufen. In einer der Hauptrollen ist LL Cool J zu sehen.

Ende des Insel-Abenteuers

Bei „FlashForward“ geht es ebenso mysteriös zu wie bei „Lost“: Für zwei Minuten und 17 Sekunden verfällt die gesamte Menschheit einem Black-Out, der jedem Erdenbürger die Zukunft in sechs Monaten zeigt. Als alle wieder zu sich kommen, fragt sich jeder, ob das, was sie gesehen haben, tatsächlich geschehen wird. Ein FBI-Team versucht, Zusammenhänge herzustellen.

Ein neues Mystery-Format muss auch dringend her. Für „Lost“-Fans (in Deutschland strahlt Kabel 1 die fünfte Staffel ab 21. Januar, 21.15 Uhr, aus) heißt es Abschied nehmen: Mit der sechsten Staffel, die in den USA im Januar starten wird, enden die Insel-Abenteuer. Die zweite Staffel des Überraschungserfolgs „Fringe“, (ab dem Frühjahr bei Pro7) aus der Feder von „Lost“-Erfinder J.J. Abrams, fährt in den USA inzwischen katastrophale Quoten ein. Hier dürfte schon bald Schluss sein.

Spannend wird es auch im Actionsegment: Noch ungewiss ist, ob die ebenfalls im Januar anlaufende achte „24“-Staffel (Kabel 1) die letzte sein wird. Nicht zuletzt Gerüchte um den Ausstieg von Jack-Bauer-Darsteller Kiefer Sutherland nähren diese Vermutung. Schwierig wird es auch für die beliebte Krimiserie „Cold Case“ (Kabel 1).

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Völlig offen ist das weitere Schicksal der Serie „Heroes“ (RTL 2). Der Auftakt der vierten Staffel geriet nicht nach Maß. Am Quoteneinbruch änderte auch der neu verpflichtete Robert Knepper nichts.

Müder Abklatsch

Während die US-Sender Jahr für Jahr viel Geld in neue Produktionen stecken, sieht es in deutschen Kreativschmieden düster aus. Wenn dann tatsächlich einmal neue deutsche Formate ausgestrahlt werden, handelt es sich meist um einen müden Abklatsch erfolgreicher US-Produktionen (Unschuldig, Doctor’s Diary, Post Mortem).

Dass auch die US-Hochglanzproduktionen in Deutschland nicht immer punkten können, liegt in der hiesigen Ausstrahlungspraxis begründet. Die werberelevante Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen besorgt sich neue Folgen samt deutscher Untertitel lieber im Internet, als ein Jahr lang auf den deutschen Start zu warten oder greift zur importierten DVD. Und in Frankreich oder Russland ist „FlashForward“ bereits eine Woche nach dem US-Start in der Originalfassung zu sehen.




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