BERLIN, 8. Februar 2012


Zwischen Rausch und Zweifel

Porträt 50. Geburtstag des Schauspielers Martin Wuttke – Tarantino begeistert


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Vielen durch seine Rolle im „Tatort“ bekannt: Martin Wuttke BILD: ddp  Bild vergrößern

Der gebürtige Gelsenkirchener wurde durch seine Rolle des Arturo Ui zum Theaterstar. Seit 2008 ermittelt er im Leipziger ARD-Krimi.

von Holger Mehlig

Berlin - Er bellt, speit, schreit, tobt und kriecht auf allen Vieren über die Bühne. Der Schweiß glänzt auf dem verzerrten Gesicht. Wenn Martin Wuttke den Arturo Ui spielt, verausgabt er sich bis zur Erschöpfung. Seine Paraderolle in Brechts Stück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“, in dem in einer Parabel die Machtergreifung Hitlers in die Gangsterwelt übertragen wird, machte ihn 1995 zum Theaterstar. Mehr als 350 Vorstellungen der Inszenierung Heiner Müllers liefen bislang im Berliner Ensemble.

An diesem Mittwoch feiert Wuttke seinen 50. Geburtstag. Nicht nur auf der Theaterbühne zählt er zu den renommiertesten deutschen Schauspielern, längst hat er sich auch als fernseh- und filmkompatibel erwiesen. Bekannt ist er vor allem durch seine Rolle im „Tatort“: Seit 2008 ermittelt der nur 1,70 Meter große Mann als Leipziger Kommissar Keppler an der Seite von Simone Thomalla.

Wuttke, der mit der Schauspielerin Margarita Broich verheiratet ist und zwei Söhne hat, ist ein Vollblutschauspieler. Er mag den Zustand zwischen Arbeitsrausch und Selbstzweifel, liebt die Extreme und lebt sie auf der Bühne wie kaum ein anderer aus. Vor sieben Jahren, als das Berliner Ensemble den „Arturo Ui“ in Japan zeigte, brach er sich bei einer Probe den Finger. Trotz großer Schmerzen spielte er in Tokio die anstrengende Rolle – mit einer eigens angefertigten Aluminiumschiene. Das japanische Publikum jubelte ihm dafür zu.

Begeistert von Wuttke ist auch US-Starregisseur Quentin Tarantino. Für seinen Film „Inglourious Basterds“ aus dem Jahr 2009 setzte er Wuttke als Adolf Hitler ein. Tarantino sei von Wuttkes Hitler-Karikatur in „Arturo Ui“ so begeistert gewesen, dass er den Schauspieler unbedingt in seinem Film haben wollte, hieß es.

Dass Wuttke seit wenigen Jahren verstärkt auf Film und Fernsehen setzt, hat auch mit Geld zu tun. „Während der jahrelangen Arbeit am Theater habe ich mich finanziell nicht gerade saniert“, räumte er in einem Interview ein. Darüber hinaus fasziniere ihn die Vorstellung, dass ein Film, der in 20 Tagen gedreht sei, von mehreren Millionen Menschen gesehen werde. „Das sind mehr Menschen, als die, vor denen ich im Theater in 20 Jahren rumgehampelt habe.“

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Wuttke wurde am 8. Februar 1962 in Gelsenkirchen als Sohn eines Schlossers geboren. Die Mutter starb früh. Mit 16 flog er von der Schule, reiste durch die Welt und landete später eher zufällig auf einer Schauspielschule in Bochum. Ein erstes Engagement erhielt er 1984 am Schauspiel in Frankfurt am Main.






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