Ein Mann liebt die Bücher
Literatur Schau über Gründung der Landesbibliothek – Sammler Georg F. Brandes
von Rudolf Fietz
Oldenburg - Im Hausrock zeigt er sich, an einem Tisch sitzend, vor sich ein offenes Buch. Im Gesicht ein Anflug von selbstgewissem Lächeln. Der Raum ist dunkel. Später Abend dürfte es sein. Zeit des Rückzugs in die Privatheit und die Lektüre. Das Bild zeigt den 52-jährigen Georg Friedrich Brandes (1719–1791) als Privatmann, als Leser und Sammler.
Als öffentliche Person war Brandes ein Beamter bei der hannoverschen Regierung, seit 1769 zuständig als Referent für die Universität in Göttingen. Aktenstudien, Ausarbeitung von Referaten und Vorlagen, das war sein Beruf und Tagesgeschäft. Sein anderes Leben begann in den späten Abendstunden, im Dunkeln. In diesen „freyen Mitternachtstunden“ war der Mann im Hausrock ein leidenschaftlicher, ein geradezu manischer Büchersammler.
Zimmer unterm Dach
Das Sammeln war ihm ein „natürlicher Trieb“. Schöne, seltene und illustrierte Drucke waren das Objekt der Begierde. Bücher aus allen Wissensgebieten hat er erworben, neben den Neuerscheinungen seiner Zeit die Drucke früherer Jahrhunderte, deutschsprachige Bücher ebenso wie die der anderen europäischen Kulturnationen.
Eine logistische Meisterleistung in einer Zeit ohne Online-Buchhandel. Brandes hatte Kontakte zu Buchhändlern und Agenten in London, Den Haag, Amsterdam, Leiden, Venedig, Paris und Straßburg. Seine Korrespondenz war gewaltig.
Verheiratet war er und Vater von vier Kindern. Die Familie bewohnte ein Haus in der Hannoverschen Neustadt. Im dritten Stockwerk unter dem Dach waren mehrere Zimmer für die Bibliothek und die große Kupferstichsammlung reserviert. Hier richtete Brandes sich ein, schrieb Briefe in alle Himmelsrichtungen, ordnete und sortierte seine Bücher, führte akribisch seinen Katalog, verglich, kommentierte und las.
Seine Bibliothekszimmer verlassen zu müssen, war ihm ein Gräuel: „Ein böser Rhumatisme treibt mich öfters aus meinen Bibliothek-Zimmern ungern hinter den Ofen, wo ich keine Folianten, sondern nur ein Journal, einen Horatz oder englischen Dichter bei mir haben kann.“
22 000 Bände hat Brandes bis zu seinem Lebensende zusammengetragen, dazu etwa 27 000 Kupferstiche. Eine bürgerliche Sammlung von europäischem Spitzenrang. Bemerkenswert ist der hohe und dichte Anteil an englischen Drucken in der Bibliothek. Brandes war ein früher Anglophiler im Deutschland des 18. Jahrhunderts, ein exzellenter Kenner der englischen Buchproduktion mit allerbesten Kontakten nach London.
Herzog erwarb Sammlung
Einen Band der berühmten Reisebeschreibungen des Weltfahrers James Cook, der in London nach drei Tagen vergriffen war, erhielt er per Kurier und besaß damit eines der ersten und seltenen Exemplare in Deutschland. Es hat sich schnell herumgesprochen in Hannover: Prinzen, Minister und „Damen“ kamen zu Besuch, um das vielgerühmte Werk in Augenschein zu nehmen.
Schwer erkrankt war Brandes seit 1788 geneigt, seine Sammlungen zu verkaufen. Herzog Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg erwarb die komplette Büchersammlung. 1792 wurde sie im Oldenburger Schloss aufgestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – das war die Gründung der heutigen Landesbibliothek Oldenburg.
In einer opulenten, von der Historikerin Gabriele Crusius erarbeiteten Ausstellung, präsentiert die Landesbibliothek jetzt ihren Gründungsbestand.
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