OLDENBURG, 7. Mai 2011


Marinesoldatin neben Museumschefin

Ausstellung „Bewegte Frauen“ im Oldenburger Stadtmuseum – Fotografien von Doris Waskönig


Im Zentrum stehen 63 Frauen aus Stadt und Region in unterschiedlichen Berufen. Die Porträtierten kommen auch selber zu Wort.

von Regina Jerichow

Oldenburg - „Der bewegte Mann“ ist fast schon ein stehender Begriff; dieser treulose Til Schweiger, den Katja Riemann auf der Kinoleinwand aus der gemeinsamen Wohnung wirft. Die Ausstellung „Bewegte Frauen“ hat trotz des verwandten Titels nichts mit Fantasiewelten zu tun. Die 63 Frauen zwischen 20 und 70, die von der Fotografin Doris Waskönig ins Bild gesetzt wurden, stehen ganz handfest und selbstbewusst mitten im realen Leben. Und so unterschiedlich ihre Lebensentwürfe auch sind – ob Arbeiterin oder Akademikerin –, sie identifizieren sich alle über den Beruf.


Zwei Jahre gedauert
Fast zwei Jahre hat das Projekt von Doris Waskönig und dem Oldenburger Stadtmuseum, dessen Ergebnis am Sonntag in Form einer sehenswerten Ausstellung eröffnet wird, in Anspruch genommen. Eine Hommage an die Frauen aus Stadt und Region, in der eine Auszubildende gleichberechtigt neben einer Frau in Top-Position steht, die Konditorin (Gesche Thein) neben der Künstlerin (Janett Brown), die Uni-Präsidentin (Prof. Dr. Babette Simon) neben der Pianistin (Elena Nogaeva), die Opernsängerin (Mareke Freudenberg) neben der Oberkirchenrätin (Annette-Christine Lenk), die Marinesoldatin (Jill Nippe) neben der Museumschefin (Eske Nannen) oder die Politikerin (Dr. Christiane Ratjen-Damerau) neben der Physiotherapeutin (Uta-Beate Kesting).

Frauen im Beruf, aus der Stadt oder Region stammend – so lautete die Vorgabe für die Fotografin, die die Kandidatinnen in ihrem persönlichen und beruflichen Umfeld ablichten sollte. Dabei kam ihr eine Eigenschaft zugute, die sie in den vergangenen 20 Jahren in zahlreiche Länder geführt hat: Die 1930 in Wuppertal geborene Künstlerin, die seit 1961 im Saterland lebt, ist fasziniert von Menschen. „Mein Thema sind Menschen“, sagt sie und schwärmt rückblickend von der gegenseitigen „Welle der Sympathie“. Ein „zähes Stück“ Arbeit sei es dennoch gewesen.


Auf Wanderschaft
Die mit den Fotos allein nicht abgeschlossen war. Unter der Leitung der Kulturwissenschaftlerin Lioba Meyer vom Stadtmuseum wurden alle Frauen anschließend zu Themen wie Karriereplan, Frauenquote, Führungsposition oder Vereinbarkeit von Arbeit und Familie befragt. Zuletzt hat die Grafikerin Heidi Beilstein das Material in Form gebracht. Gefördert wurde das Ganze von der VR-Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Norddeutschland (Hannover) und der Volksbank Oldenburg.

Eine Ausstellung zum Schauen und Lesen, die nach dem Wunsch von Museumsdirektor Dr. Friedrich Scheele auf Wanderschaft gehen soll. Nicht nur bewegte, sondern auch bewegliche Frauen.

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