BREMEN, 3. November 2009


Engtanz mit dem Mikro-Stativ

KONZERT 13 000 Fans feiern die britische Band Depeche Mode in Bremen


DEPECHE MODE HABEN SEIT 1980 MEHR ALS 100 MILLIONEN TONTRÄGER VERKAUFT. IHR KONZERT IM AWD-DOME WAR SEIT MONATEN AUSVERKAUFT.

VON KARSTEN KROGMANN

Bremen - Anfänger könnten das hier leicht mit der offiziellen Hallensause zum Bremer Freimarkt verwechseln: Ein Discjockey legt Festzelttechno auf, die Leute im AWD-Dome starten dazu eine „La Ola“-Welle nach der anderen. „Jetzt geht’s los!“, rufen sie wieder und wieder, die Arme fliegen hoch, die Welle saust den Südrang hinauf und den Nordrang wieder hinunter, der Discjockey dreht die Musik ein bisschen lauter.

Erfinder des Synthiepop

Und dann geht auch schon das Licht aus, die Leute kreischen aufgeregt, im Dunkeln stimmt jemand seinen Synthesizer. Knirschend gleiten zwei Töne aufeinander zu, treffen sich in der Mitte, stottern sich in einen schleppenden Rhythmus hinein. Die Anfänger könnten das nach all dem Rambazamba eben vielleicht als Spaßbremse empfinden, Fortgeschrittene hingegen wissen: Das hier ist ein Depeche-Mode-Konzert, der Song heißt „In Chains“. Die Arme fliegen wieder hoch, die Sause geht weiter.

Knallrot leuchten die Scheinwerfer, wickeln Dave Gahan in Farbe, sein schwarzes Lederjackett, die schwarze Hose, das schwarze Shirt. Neben ihm stakst Martin Gore auf Plateauschuhen, er trägt einen Glitzeranzug und eine Gitarre. Früher stand er hinter dem Synthesizer – wie alle anderen Musiker auch bei Depeche Mode: Die Briten haben Anfang der 80er Jahre den Synthiepop erfunden, ihn später etwas abgedunkelt zum Elektropop, ihn noch später dem Rock vorgestellt.

Der Rock. Live sitzt dafür Christian Eigner auf der Bühne, genauer: hinter einem gewaltigen Schlagzeug. Rau drischt er auf die synthetischen Geräusche ein, die da aus Andrew Fletchers Schaltzentrale rasseln. Martin Gore lässt sich zu jedem Song eine neue Gitarre reichen und schmückt die Gewalt mit kargen Tönen. Vor allem steht er aber da vorne, weil er die zweite Stimme singen muss. Und ja, er ist ein besserer Sänger als der markant-monotone Dave Gahan. In einem Solo-Auftritt zum Klavier darf Gore das unter Beweis stellen („Clean“); das Publikum feiert ihn begeistert.

Dreidimensionales Auge

Doch zunächst gibt es drei Songs vom aktuellen Album „Sounds Of The Universe“, erst danach wird gemeinsam das ältere „Walking In My Shoes“ gesungen. Die Leinwand zeigt Filmchen, von oben blickt ein dreidimensionales Auge aufs Publikum. Es dürfte zufrieden sein mit dem, was es sieht: Die Leute singen, tanzen, winken.

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Gore lässt sich die weiße Gretsch-Gitarre reichen, Fletcher wirft einen Motorbass an. „I Feel You“, die Bühne strahlt in Blau. Gore wechselt zur roten Gretsch-Gitarre, „Enjoy The Silence“, die Bühne glimmert gelb. Dave Gahan tanzt eng mit seinem Mikrofonstativ, ruft einmal „Hallo Bremen!“. 13 000 Fans toben. Es gibt vier Zugaben, am Ende steht „Personal Jesus“, der erste echte Rocksong von Depeche Mode.

Andere Bands zeigen mehr Licht, mehr Videos, sprechen mehr mit ihrem Publikum, geben sich mehr Mühe mit der Setlist. Aber das hier sind Depeche Mode, sie haben 30 Jahre Musikgeschichte hinter sich und die besten Fans der Welt vor sich.

Deshalb steigt im AWD-Dome eine großartige Party – auch wenn man mit dem Gefühl nach Hause geht, dass diese Party ebenso großartig geworden wäre, wenn die Gastgeber gar nicht mitgefeiert hätten.




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