Warten auf schrille Sachen
MUSIK Mehrere deutsche Konzerte der Gruppe Kiss – Gutes Studioalbum
VON MATTHIAS MINEUR
Hamburg - Kleinlaut waren die amerikanischen Schminkerocker Kiss noch nie. Und an Selbstbewusstsein hat es ihren beiden Machern, Bassist Gene Simmons (der mit der riesigen Schlabberzunge) und Sänger/Gitarrist Paul Stanley (der mit dem schrillen Stimmorgan), ebenso wenig gemangelt.
Insofern ist es nur folgerichtig, dass Stanley für das Frühjahr 2010 die eindrucksvollste Show verspricht, die seine Gruppe jemals auf die Bühne gebracht hat. Ganz gewiefter Marketing-Stratege posaunt er: „Es hat nie zuvor eine bessere Kiss-Besetzung als diese gegeben.“
Dass der Mann damit – ziemlich uncharmant – gegen frühere Konstellationen seiner Gruppe nachtritt, bleibt Insidern allerdings nicht verborgen. Aber Stanley dürfte unter musikalischen Gesichtspunkten sogar Recht haben. Denn zumindest die originalen Kiss, also mit ihm und Simmons sowie Gitarrist Ace Frehley und Schlagzeuger Peter Criss, galten bei Szenekennern als recht hausbackene Truppe, die sich optisch zwar gekonnt in Szene setzte, handwerklich aber eher biedere Hausmannskost ablieferte.
Erstaunliches abgeliefert
Dank der zwei „Neuen“ Tommy Thayer (Gitarre) und Eric Singer (Schlagzeug) ist die Band technisch spürbar besser aufgestellt und hat in dieser Zusammensetzung mit ihrer jüngsten Veröffentlichung „Sonic Boom“ ein erstaunlich gutes Studioalbum abgeliefert.
Dieses Werk, so behauptet der 58-jährige Stanley, verdankt die Welt unter anderem auch dem deutschen Publikum: „Die fabelhaften Resonanzen auf unsere Konzerte vor drei Jahren sind der Grund, weshalb wir Lust darauf bekamen, ein neues Album zu schreiben.“ Kein Wunder, dass im Frühjahr das eine oder andere aktuelle Stück im Bühnenrepertoire auftauchen wird. „Es gibt mindestens drei neue Songs zu hören“, verrät Stanley nicht ohne erkennbaren Stolz. Aber natürlich weiß kaum jemand besser als der Kiss-Lautsprecher, dass die Fans vor allem die Klassiker seiner Gruppe hören wollen.
Deshalb nimmt er etwaigen Skeptikern gleich den Wind aus den Segeln: „Wir haben eine riesige Vergangenheit mit unzähligen Songs, die in einem Konzert von uns erwartet werden und die man nicht unter den Tisch fallen lassen kann. Das neue Album ist zweifellos großartig, aber die aktuelle Show noch um ein Vielfaches sensationeller.“
Fans hoffen
Nur kurz und nur bei einem brisanten Thema wird der Kiss-Frontmann einsilbig. Nämlich wenn es um die Frage nach der Originalbesetzung geht, auf die viele Fans natürlich weiterhin hoffen. Stanley will darüber jedoch nicht sprechen, sein lakonischer Kommentar: „Schaut euch die Konzerte im Mai und Juni an, dann seht ihr die besten Kiss, die man sich vorstellen kann. Zumal wir uns untereinander bestens verstehen, was in früheren Besetzungen beileibe nicht immer der Fall war.“
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