OLDENBURG, 27. August 2010


Kunstwerke im Buchformat

Ausstellung Landesbibliothek zeigt Arbeiten von Gertrud Boerniek und Rita Eller


In den Arbeiten sind Buch und Kunst vereint. Die ungewöhnlichen Künstlerbücher und Buchobjekte verarbeiten literarische Texte.

von Johanna Raffelt

Oldenburg - In einer besonders gesicherten Vitrine beherbergt die Oldenburger Landesbibliothek einen ungewöhnlichen, aber passenden Flaschengeist: Der „Geist im Glas“ besteht aus kleinen Papier-Buchstaben-Fetzen und ist eingeschlossen in einem Glasröhrchen; daneben liegt ein kleines Buch. An der gegenüberliegenden Wand kann man ein künstlerisch gestaltetes buntes Collage-Leporello betrachten, in dem ein Text von Goethe verarbeitet ist. Und das „Taschenbuch für den Zugreisenden“ liefert auf humorvolle Art im Miniaturformat eine Weltkarte, ein Kartenspiel aus Fahrscheinen und ein Kissen – eben alles, was man als Fahrgast benötigt.

Die neue Ausstellung „Anderes Buch“ in der Landesbibliothek Oldenburg zeigt, wie Künstlerinnen mit den Themen Buch und Literatur umgehen. Präsentiert werden überwiegend Künstlerbücher und Buchobjekte – aber auch Bilder – von Gertrud Boernieck und Rita Eller. „Die Ausstellung trägt diesen Titel, weil es sich um Bücher handelt, die man so im Buchhandel nicht bekommt“, erklärt Michaela Klinkow von der Landesbibliothek.


Keine gewöhnlichen Bücher
Die Künstlerbücher thematisieren Literatur. Sie sind aber keine Bücher im gewöhnlichen Sinne, sondern Kunstwerke. Diese verarbeiten entweder literarische Texte in ihren Bildern oder erinnern zumindest im Format an Bücher, da sie aufklappbar sind. Der Besucher kann die Kunstwerke allerdings nicht wie gewöhnliche Bücher behandeln – womöglich in ihnen herumblättern –, da sie zum Schutz hinter Glas liegen.

Eine Kombination aus Text und Bild findet man bei beiden Künstlerinnen immer wieder. Die Texte stammen von Schriftstellern wie Franz Kafka und Rainer Maria Rilke oder von dem mit Boernieck und Eller befreundeten Autor Klaus-Dieter Brunotte oder aus der Feder der Künstlerinnen selbst. „Boernieck besteht hier darauf, dass ihre Werke nicht als bloße Illustration der literarischen Texte, sondern als Interpretation verstanden werden“, erklärt Klinkow.

Über zwei Ebenen erstreckt sich die Ausstellung und zeigt rund 60 Werke. Im Dialog-Format aufgehängt sind die Ausstellungsstücke der Künstlerinnen voneinander getrennt. So kann sich der Betrachter einzeln auf die verschiedenen Stile einlassen. Obwohl beide Künstlerinnen Grafikerinnen sind, ist ihre Umgangsweise mit dem Künstlerbuch sehr unterschiedlich.


Künstlerische Spannbreite
Während Ellers Arbeiten abstrakt und auf das Wichtigste reduziert sind, liefern Boerniecks Arbeiten viel Hintergründiges, dessen Aussagekraft dem Betrachter direkter bewusst gemacht wird. „Wir wollen mit dieser Ausstellung zeigen, was für eine Spanne bei dem Thema ,Künstlerbücher’ möglich ist“, berichtet Klinkow. Eller benutzt für ihre Arbeiten hochwertige Materialien wie handgeschöpftes Papier, so dass ihre Werke sehr ordentlich, fein und edel wirken. Boernieck dagegen verwendet Funde wie alte Pralinenschachteln, Sicherheitsnadeln, Stofffetzen, Tablettenpaletten, Fäden und Bonbonpapier. Die Objekte wirken dadurch gröber.

Wer Bücher und Kunst liebt, sollte sich die am Donnerstag eröffnete Werkschau nicht entgehen lassen. Denn hier gibt es beides in einem: Bücher und Kunst.

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