OLDENBURG, 31. August 2010


Die unverzichtbare Hefe im Teig

Besuch Kulturstaatsminister Bernd Neumann zu Gast in Oldenburg


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Geräumiges Ambiente: Blick auf die provisorische Spielstätte in der Halle 10 des Oldenburger Fliegerhorstes BILD: Torsten von Reeken  Bild vergrößern

Auf dem Fliegerhorst hielt Neumann ein nachdrückliches Plädoyer für die Kultur. Finanzielle Hilfe vom Bund gibt es allerdings nur in Unterstützung von Land und Kommunen.

von Regina Jerichow

Oldenburg - Geht es um die Kultur, geht es um Geld. Erst recht in Krisenzeiten. Und umso mehr, wenn der Kulturstaatsminister zu Gast ist. Bernd Neumann (CDU) ist das gewohnt, nimmt die Klage und Hoffnung der eingeladenen Vertreter von kleinen und mittleren Kultureinrichtungen freundlich und aufmunternd zur Kenntnis, ohne von seinem Grundsatz abzuweichen: Hilfe vom Bund? „Im Prinzip nein.“


Prüfung des Mausoleums
Dass sein Vortrag am Montagnachmittag in der Halle 10 des Oldenburger Fliegerhorstes, in der für diese Saison die provisorische Spielstätte des Staatstheaters entstanden ist, dennoch keine deprimierende Angelegenheit wurde, lag nicht nur an seinem Titel – „Im Bund mit der Kultur“. In der Pflicht sieht sich der Bund nämlich schon, wenn auch erst, nachdem Länder und Kommunen das Ihre beigetragen haben. Der Bund könne sehr wohl unterstützend tätig werden, sagt Neumann, vorausgesetzt es handele sich um ein Projekt von nationaler Bedeutung oder um eines mit Pilotcharakter.

Erst wenige Stunden zuvor hatte der 68-Jährige ein solches potenzielles Förderprojekt in Augenschein genommen: Das klassizistische Mausoleum der Oldenburger Herzöge auf dem Gertrudenfriedhof, das für 800 000 Euro saniert werden soll. Das Land steuere 200 000 Euro bei, die Stiftung Denkmalschutz noch einmal so viel, erläuterte Neumann, der auf Einladung von Staatssekretär Thomas Kossendey (CDU) nach Oldenburg gekommen war. Und sollte die Prüfung im Hinblick auf die nationale Bedeutung positiv ausfallen, werde auch der Bund tätig werden, versprach der Minister.

Im Falle des Staatstheaters ist das bereits geschehen: Die Sanierung des Großen Hauses konnte nur mit den 14 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II in Angriff genommen werden. Von den Arbeiten machte er sich am Nachmittag selbst ein Bild.

Aber nicht nur das Theater ist ihm ein Begriff, Neumann kennt sich in der Oldenburger Kulturszene aus, nennt die geplante Ausstellung „Lawrence von Arabien“ des Landesmuseums für Natur und Mensch, das Edith-Ruß-Haus für Medienkunst, die Kulturetage und das oh-ton-Ensemble – alles Einrichtungen und Projekte, die vom Bund gefördert werden. Damit sei Oldenburg ein „Beispiel für die Kulturnation Deutschland“.


Törichte Sparmaßnahme
Doch Neumann ist auch Politprofi und als solcher geschickt genug, alle Spar-Argumente nicht nur zu kennen, sondern auch zu entkräften. Mit allein 150 Theatern und 130 Orchestern sei der kulturelle Reichtum Deutschlands „einmalig auf der Welt“. Aber braucht man das alles? Eine rhetorische Frage, die sich der Minister gleich selbst beantwortet: „Ja und nochmals ja!“

Nicht weniger nachdrücklich klingen seine Argumente: Die Kreativwirtschaft mit einer Million Erwerbstätigen sei zusammen mit der klassischen Kultur „ein boomender Markt“. Eine Nation definiere sich über die Künste. Mehr noch: „Die Kultur ist nicht nur das Sahnehäubchen, sondern die Hefe im Teig.“ Gerade in Zeiten der Krise sei es nicht nur töricht, an ihr zu sparen, sondern „barbarisch“. Mit dem wenigen Geld, das der Kultur zur Verfügung stehe, „kann man nicht mal ansatzweise einen Haushalt sanieren“. Sein eigener Etat sei über die Jahre kontinuierlich gestiegen und auch für 2011 garantiert. Was der Minister, bevor er in seinen Hubschrauber stieg und vom Fliegerhorst abhob, als „Signal für die Kommunen und Länder“ verstanden wissen wollte.

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