Auf Umwegen zum Wunschroman
Literatur Andreas Maier liest aus Roman „Das Zimmer“ – Fortsetzungen geplant
Oldenburg - Die Figuren eines Romans authentisch zu gestalten, dieser Herausforderung sollte sich jeder Schriftsteller stellen. Dem Autor Andreas Maier (43) ist das mittels des Protagonisten Onkel J. in seinem Roman „Das Zimmer“ (Suhrkamp, 203 Seiten, 17,90 Euro) gut gelungen. Jetzt las er im Oldenburger Veranstaltungshaus „Wilhelm 13“ aus seinem Werk.
Bei einem Treffen unter Literaturkritikern sei ihm Andreas Maier durch einen mit Apfelwein gefüllten Plastikkanister aufgefallen, schmunzelt Moderator Hubert Winkels. Daran sehe man, dass den Autor seine Heimat bewegt, und das halte er in seinen Werken fest. „Man bekommt beinahe das Gefühl, Sie seien mit der hessischen Landschaft Wetterau liiert“, witzelt Winkels.
Heimat ist das Stichwort für die Handlung von Maiers Roman. „Das Zimmer“ spielt 1969 und erzählt einen Tag im Leben seines geistig behinderten Onkels J. in der Wetterau und in Frankfurt am Main.
Ein Buch über seinen Onkel zu schreiben, sei kein bewusster Entschluss gewesen. „Der Onkel kam bei mir ins Rollen“, so der Autor. Durch ihn erfahre der Leser seine Sichtweise auf die Welt. Im ehemaligen Zimmer des Onkels, heute Maiers Arbeitszimmer, sei der Roman entstanden. Vielleicht wirkt der Protagonist auch gerade deshalb derart authentisch. So schließen einige Hörer während der Lesung schmunzelnd die Augen.
„Das Zimmer“ ist der Auftakt zu Maiers elfbändig geplanten Projekt „Ortsumgehung“. Inspiriert wurde er durch die Wetterau, die teilweise in eine Ortsumgehungsstraße verwandelt wird. Maier spürte, dass es Zeit für eine literarische Veränderung war. „Diese Ortsumgehungsstraße hat mir mein Lebenswerk verschafft“, schwärmt der Autor. Er freue sich, seinen Wunsch durch eine non-fiktionale Buchreihe verwirklichen zu können: „Es ist toll, in einer Sache drin zu bleiben.“ Zuvor publizierte Maier ausschließlich nichtautobiografische Texte. In Zukunft kann sich der Leser auf weitere Einblicke in die Maiersche Familiensaga freuen.
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