BREMEN, 8. Februar 2012


Gefühlskosmos in einem Cello-Ton

Konzert Bremer Philharmoniker mit Cellist Mischa Maisky in der Glocke


von Horst Hollmann

Bremen - Wenn Pablo Casals, der Urvater aller modernen Cellisten, mit dem markanten Solisten-Thema ins Cellokonzert h-Moll von Anton Dvorak hinein brach, fegte er stets alle Zuhörer von den Sitzen. Die zersprengende Wucht ist in einer Aufnahme von 1937 dokumentiert. Solche Eruptionen hört man heute nicht mehr. In der Bremer Glocke demonstriert Mischa Maisky mit den Bremer Philharmonikern die zeitgemäße Auslegung.

Resolut muss der Einsatz kommen, gewiss. Aber auch etwas neugierig fragend, wie gerade erst frisch erahnt, ein Fitzelchen meditativ. Wie Maisky das sofort auf einen Nenner bringt, weist ihn als einen der ganz Großen aus. Und die Bremer Musiker unter Leitung von Markus Poschner haben schon in der weit gespannten Einleitung klargestellt, dass dieses sperrige Werk zu den größten, ernstesten und gewichtigsten in der nicht so breiten Cello-Literatur zählt.

Was die Partner sozusagen als Visitenkarte vorlegen, vereinen sie in großer Intensität gemeinsam. Sie sind sich einig in den Temporückungen, bei der organischen Entwicklung auf den oft verwinkelten Strukturen. Das Orchester kann protzen, es kann aber auch den Solisten unverdeckt singen lassen. Es wird zur Stärke dieser Interpretation, dass sie bei aller Akkuratesse scheinbaren Augenblicks-Eingebungen Raum gönnt.

Da lässt sich Maisky auch mal zu romantischem Schwelgen hinreißen, aber er knetet die Lyrismen nicht aus. Er gestattet es dem Pathos, anzuschwellen, aber er überzeichnet nicht. Die ruhigen Zeitmaße nutzt er zur Klarheit in der Linienführung. In der heiklen Balance zwischen dem oft kammermusikalischen Ton und den massiven Ballungen findet Poschner wundervoll das Maß.

Drei Tage, von Sonntag bis Dienstag, haben sich die Bremer ein Maisky-Festival mit drei unterschiedlichen Programmen gegönnt. Im Rahmen ihrer zwölf Saison-Sinfoniekonzerte setzen sie mit dem Markenzeichen „phil intensiv” so Ausrufezeichen. Der in Brüssel lebende Maestro hat neben dem Dvorak-Reißer das a-Moll-Opus von Saint-Saens gespielt, das Tripelkonzert von Beethoven und Happen von Tschaikowski und Bruch. Den sinfonischen Rahmen setzten Sibelius, Tschaikowski und Ginastera. Alle drei Abende waren ausverkauft.

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