Charmanter Brigadeführer
Film Zum 75. Geburtstag von Schauspieler Manfred Krug – „Liebling Kreuzberg“
von Wilhelm Roth
Berlin - Zum 75. Geburtstag erscheint ein Bildband mit Texten des Künstlers. Das Buch trägt den Titel „MK Bilderbuch. Ein Sammelsurium“ (Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf, 344 Seiten, über 1000 Fotos, 69,95 Euro). Das Werk beleuchtet Krugs Leben als Schauspieler, Sänger und Autor – von den künstlerischen Anfängen in der DDR bis zum beliebten Anwalt in „Liebling Kreuzberg“.
Er ist neben Armin Mueller-Stahl einer der großen Stars, die der Film in der DDR hervorgebracht hat: Manfred Krug. An diesem Mittwoch wird er 75 Jahre alt. Schon in der DDR war Krug sehr beliebt, spielte oft Draufgänger und Liebhaber. 1976 protestierte er gegen die Ausweisung Wolf Biermanns, bekam daraufhin Schwierigkeiten und reiste in den Westen aus, wo er mit offenen Armen aufgenommen wurde. In populären TV-Serien wie „Tatort“ und „Liebling Kreuzberg“ setzte er seine Karriere erfolgreich fort.
Geboren wurde Manfred Krug 1937 in Duisburg. Er kam als Zwölfjähriger in die DDR, zusammen mit seinem Vater, einem Eisenhütten-Ingenieur, der in die DDR umsiedelte. Schon ab 1957 stand er bei der DEFA-Filmgesellschaft regelmäßig vor der Kamera. Typisch für den jungen Krug waren Filme wie „Auf der Sonnenseite“ (1961) oder „Beschreibung eines Sommers“ (1962).
1960 entstand sein erster Film mit Regisseur Frank Beyer, „Fünf Patronenhülsen“, eine Geschichte aus dem Spanischen Bürgerkrieg. Mit Beyer machte Krug dann 1965 „Spur der Steine“, den wichtigsten, besten und aufregendsten Film seiner ganzen Karriere. Als Hannes Balla führt er eine Zimmermanns-Brigade auf einer Großbaustelle. Der Film wurde nach nur drei Tagen verboten.
Rosemarie Rehan, Filmkritikerin in der DDR, hat 1995 in einem Buch Krug als Balla so charakterisiert: „Nie haben wir eine Arbeiterfigur von solcher Vitalität und Poesie, von so kräftigem Witz und Charme gesehen. Ein Kerl, vierfacher Aktivist, mit hinreißend anarchistischen Zügen.“ Und sie bescheinigt ihm „ein erotisches Flair aus lässig gehandhabter Vorzeige-Männlichkeit und einer Seele, die auf Zehenspitzen geht“.
In den Jahren bis zum Verlassen der DDR 1977 hat Krug noch in zahlreichen Filmen mitgespielt und ist auch als Sänger von Schlagern und Jazzstandards populär geworden. In der Bundesrepublik konnte Krug seine Karriere ohne Unterbrechung fortsetzen. Als Fernfahrer in der TV-Serie „Auf Achse“, als Kommissar im „Tatort“ des NDR (1984–2001) und besonders als Rechtsanwalt in „Liebling Kreuzberg“ (1986–1998) wurde er zu einem der beliebtesten Fernsehstars.
Krugs Aktivitäten gehen aber über die Filme weit hinaus. Er hat fünf Bücher geschrieben, als erstes 1996 „Abgehauen“, seine kritische Sicht auf die DDR. Er hat CDs mit eigener Musik veröffentlich, aber auch Hörbücher.
Er hat für die Telekom-Aktie geworben und sich später dafür entschuldigt, dass die Aktionäre Geld verloren haben. Insgesamt ist er immer Krug geblieben. Und seine Fans wissen, was sie an ihm haben.
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