OLDENBURG, 3. Februar 2012


Bocksprünge auf Kunstrasen

Staatstheater Tanztheater Bremen gastiert mit „Herzrasen“ im Kleinen Haus


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Mit erhöhtem Pulsschlag: Szene mit Profitänzern und Jugendlichen aus der Inszenierung „Herzrasen“ Probenbild: Jörg Landsberg  Bild vergrößern

In der Inszenierung von Henriette Horn wirken sechs Jugendliche mit. Sie agieren mit den Profitänzern auf Augenhöhe.

von Lore Timme-Hänsel

Oldenburg - Medizinisch ist es ganz einfach: Unser Herzmuskel zieht sich 60 bis 80 Mal in der Minute zusammen. Den Rhythmus bestimmt unser Gehirn mit Hilfe des vegetativen Nervensystems und mit Hilfe von Hormonen. Bei einem Puls von über 100 Schlägen, wenn wir uns aufregen, ärgern, ängstigen, freuen, verlieben, tritt Herzrasen auf.


Coole Typen
Die Choreografin Henriette Horn hat dieses Phänomen, seine Ursachen und Auswirkungen mit dem Tanztheater Bremen und sechs Jugendlichen der Moks Theaterschule Bremen in dem Stück „Herzrasen“ umgesetzt. Die Uraufführung fand im vergangenen Jahr in Bremen statt. Derzeit gastiert das Ensemble für längere Zeit mit der Inszenierung am Oldenburgischen Staatstheater. Die Oldenburger Premiere fand nun am Donnerstag im Kleinen Haus vor Schulklassen aus Oldenburg und Wardenburg statt. Die Schüler belohnten die Leistung der Tänzerinnen und Tänzer am Ende mit lautstarkem Applaus.

Als die Akteure die Bühne betreten, ist es schlagartig ruhig. Auf dem grünen Kunstrasen begegnen sich zwei Gruppen, sie beäugen sich kritisch. Noch passiert nicht viel. Aus der Masse treten Einzelne mit hohem Wiedererkennungswert hervor: der coole Typ, der mit seiner Kickerei ohne Ball zu imponieren versucht; der Raufbold, der keinem Streit aus dem Weg geht.


Wechselbad der Gefühle
Der Breakdancer und die Balletttänzerin bringen die Gruppe schließlich in Wallung, zu harten Rock’n’ Roll-Rhythmen geht beim Bockspringen und Staffellauf die Post ab. Die Tänzer, die Laien agieren mit den Profis auf Augenhöhe, lassen ihren Gefühlen freien Lauf – mitreißend und ausdrucksstark.

Henriette Horn setzt einige effektvolle Akzente. In einer Szene zum großen Thema Liebe leuchten die Jugendlichen die Bewegungen der Profitänzer mit Taschenlampen aus, verfolgen zärtliche Annäherungsversuche und wilde Verfolgungsjagden: Sie beleuchten, wie liebevolle Zuwendung umschlägt in wütende Abneigung. Die Lichtspiele wirken wie ein Feuerwerk und sorgen für einen besonderen Aha-Effekt.

Es ist nicht nur die Liebe, die das Herz zum Rasen bringt. Wer gemobbt wird, wem Zicken ständig auf die Füße treten, auch der hat einen Puls von mindestens 100 Schlägen in der Minute. Tänzerisch wird das humorvoll umgesetzt, gleich darauf aber folgt ein verstörendes Pas de deux böser Machos.

Dann geht es wieder hinein ins Wechselbad der Gefühle: Jeder will seinen Platz, seinen Rhythmus finden, keiner zum Spielball der anderen werden. Gefühle und Ängste beflügeln, können aber auch zum Absturz führen.

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