Wenn das Leben kein Leben mehr ist
Theater Franziska Vondrlik spielt „freitot“ im Theater k – Spiel weckt Emotionen beim Publikum
Kein Mensch mehr, sondern nur noch ein Gehirn in einer Schale: Franziska Vondrlik fühlt sich eindrucksvoll in die Situation von Gelähmten ein. BILD: Jörg Hemmen 
von Patrick Buck
Oldenburg - „Zutiefst erschütternd“, sagt Elke Kops. Will man dieses Urteil nach einem Theaterstück von einer Zuschauerin hören? Ja, will man, wenn nicht die Leistung auf der Bühne, sondern die Gefühle gemeint sind, die die Schauspielerin mit ihrem Spiel auslöst. Das Thema Selbsttötung ist halt keines, das man einfach so frohlockend hinter sich lässt. Franziska Vondrlik sorgt mit dem Stück „freitot“ im Theater k derzeit für intensive Emotionen bei den Zuschauern.
„Ich stürzte – und das war’s“, fasst Vondrlik in ihrer Rolle als Erika Kellermann in nur einem Satz zusammen, wie schnell es gehen kann, und wie leicht es jeden ereilen kann. Plötzlich sitzt man querschnittsgelähmt im Rollstuhl und das Leben ist nicht mehr dasselbe. Kellermann erzählt diese Geschichte aus dem Jenseits, von Anfang an ist klar, dass sie die Selbsttötung als Ausweg gewählt hat. Doch was so einfach klingt, war ein Kampf mit vielen Stufen.
Auf diesem Weg trifft man auf enttäuschte Hoffnung, auf die Liebe der Familie, die zur Last wird, und sogar auf die grausame Aufforderung an die Tochter, doch bitte die Atem-maschine abzustellen. Eindrucksvoll erzählt Vondrlik im Monolog von einem Leben, das sie nicht kennen kann, und schafft es trotzdem herüberzubringen, dass es für Erika Kellermann kein Leben ist. Sie sei nur noch ein Gehirn in einer Schale und ihr Körper „ein quallenartiger Rumpf mit leblosen Tentakeln“. Der Freitod in der Schweiz ist ihr persönlicher Ausweg.
„Es war intensiv, ein große Leistung“, meint Eva Überschär, die das vielleicht wie nur wenige Menschen beurteilen kann, denn sie engagiert sich, ebenso wie Elke Kops, im Hospiz.
Dem organisierten Freitod kann nicht jeder zustimmen, das will das Stück von Lars Wernecke auch nicht sagen, es lässt andere Möglichkeiten zu. Aber es fordert etwas, das auch Überschär und Kops unterstützen: „Das Thema muss auf den Tisch.“
Weitere Termine im Theater k sind am 9., 10. Februar sowie am 18. und 25. Mai. Zudem gibt es kombinierte Vorstellungen mit „Sterbensschweigen“ am 11. Februar sowie am 19. und 26. Mai.
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