BONN, 7. Mai 2010


Sicher: Neandertaler unser Urahn

Wissenschaft Forschergruppe liefert durch Erbgut-Entzifferung den Beweis


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Nase an Nase: die Direktorin des Landesmuseums in Bonn, Gabriele Uelsberg, und die Nachbildung eines Neandertalers. Der Neandertaler ist doch ein Vorfahr des heutigen Menschen. BILD: dpa  Bild vergrößern

Die Gene lassen sich selbst bei Chinesen ­nachweisen. Diese Erkenntnis überraschte die Experten.

von Gerd Korinthenberg

Bonn - Der Neandertaler ist doch ein Vorfahr des heutigen Menschen. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Forschergruppe, die weite Teile des Neandertaler-Erbguts entziffert und bereits analysiert hat. „Das ist eine absolute wissenschaftliche Sensation“, sagte der an der Studie beteiligte Bonner Neandertaler-Experte Ralf W. Schmitz.

Die Zellkern-DNA aus den Knochen von sechs Neandertalern wurde unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig sequenziert. Bisherige Analysen, die sich lediglich auf das Erbgut der Zellkraftwerke (Mitochondrien) stützten, hatten gegen eine engere Verwandtschaft des modernen Menschen mit den vor knapp 30 000 Jahren ausgestorbenen Neandertalern gesprochen.

Das neue Ergebnis des Leipziger Neandertaler-Genom-Projektes belege, dass der wohl weltweit populärste Urmensch zwischen einem und vier Prozent zu den Genen der heutigen Bevölkerung in Europa und Asien beigetragen hat. „Nun steht fest, dass die Neandertaler doch zu unseren Vorfahren zu rechnen sind“, sagte Schmitz, der an der Universität Bonn und dem Bonner Landesmuseum ar­beitet.

Dass sich die Neandertaler-Gene selbst bei Chinesen und heutigen Menschen in Papua-Neuguinea nachweisen lassen, obwohl dort nie ein Neandertaler gelebt hat, sei eine weitere Überraschung, sagte der Experte. Der aus Afrika eingewanderte anatomisch moderne Mensch hatte sich demnach im Nahen Osten mit den Neandertalern vermischt, wo beide Menschenarten archäologisch nachweisbar bis vor rund 50 000 Jahren für etwa 30 000 Jahre miteinander gelebt hätten. Von hier aus habe der Neuankömmling das genetische Neandertaler-Erbe auf seine weitere Wanderung nach Europa und Asien mitgenommen.

Bisher waren Wissenschaftler überwiegend davon ausgegangen, dass sich im Laufe der Evolution heutige Menschen und Neandertaler vor rund 500 000 Jahren getrennt hätten. Damit wäre der mit rund 300 Funden nachweisbare Urmensch, der Europa etwa 300 000 Jahre lang besiedelt hat, nur ein entfernter Verwandter der modernen Menschen gewesen.

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