BERLIN, 10. März 2010


Aus im Kampf um Jahrhundertgeschäft

RÜSTUNG Militärmarkt in US-Hand – EADS zieht Angebot für Tankflugzeug zurück


Bild

Auftanken in luftiger Höhe: Die Computergrafik der Firma Northrop Grumman, US-Partner von EADS, zeigt ein Tankflugzeug vom Typ KC-45 (oben). BILD: DPA  Bild vergrößern

BEI DEM EUROPÄISCHEN KONZERN WERDEN DIE VORGÄNGE MIT GALGENHUMOR GESEHEN. DAS UNTERNEHMEN SETZT IN DEN USA NUN AUF ZUKÄUFE.

VON MICHAEL WOJTEK UND

Berlin - Das US-Verteidigungsministerium hat mit seiner neuen Ausschreibung eines Auftrags für Tankflugzeuge Verärgerung in Europa ausgelöst. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) warnte die USA am Dienstag vor Protektionismus. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und sein US-Partner Northrop Grumman hatten am Montag erklärt, dass sie sich aus dem Rennen um den Milliardenauftrag für die US-Luftwaffe zurückziehen.

Kein freier Wettbewerb

Brüderle zeigte sich enttäuscht über die Vorgehensweise des US-Verteidigungsministeriums bei der erneuten Ausschreibung des Auftrags. Nach der ursprünglichen Auswahl des Airbus A 330 MRTT durch die US-Luftwaffe werde mit der jetzigen Vorgehensweise der US-Konzern Boeing deutlich bevorzugt, sagte Brüderle. „Auch bei der Beschaffung von Rüstungsgütern sollte der freie Wettbewerb nicht einseitig eingeschränkt werden“, mahnte er. Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise schadeten „schon Anzeichen von Protektionismus“. Die Europäische Kommission zeigte sich besorgt, dass sich ein wichtiger potenzieller Anbieter außerstande sehe, für einen Auftrag dieser Art zu bieten.

Der EADS-Tanker KC-45 ist vom Großraumflugzeug Airbus A 330 abgeleitet und hat bisher alle internationalen Wettbewerbe gegen Boeings KC-767 gewonnen. Das Modell KC-767 basiert auf dem alten Verkehrsjet Boeing 767 und wurde überarbeitet. EADS hatte für den Airbus-Tanker ein eigenes Werk in den USA bauen wollen, in dem auch die A-330-Frachter montiert werden sollten.

Die Ende Februar vorgelegten Ausschreibungsbedingungen für den 35 Milliarden Dollar (25,8 Milliarden Euro) schweren Auftrag würden den Wettbewerber Boeing klar bevorzugen, hatten Northrop Grumman und EADS North America mitgeteilt. Nach dem Rückzug ist Boeing der einzige Bieter.

Airbus-Chef Thomas Enders warf der US-Regierung „Voreingenommenheit“ sowie unfaire Wettbewerbsbedingungen bei der Neuausschreibung des Milliardenauftrags für US-Betankungsflugzeuge vor. Dies seien die Hauptgründe für den Rückzug. Enders sagte, die jetzige Ausschreibung sei „maßgeschneidert auf den kleineren und weniger leistungsfähigeren Flieger der Konkurrenz. Es geht hier nicht mehr um das beste Tankflugzeug und auch nicht um einen fairen Wettbewerb“.

Die US-Regierung reagierte „enttäuscht“ auf den Rückzug von EADS und Northrop Grumman aus dem Bieterverfahren. Von Boeing hieß es in einer ersten Stellungnahme, man werde ein „transparentes und wettbewerbsfähiges Angebot“ vorlegen, das alle Bedingungen der Air Force erfülle. 2008 hatten die USA zunächst der EADS-Tochter Airbus zusammen mit Northrop Grumman den Zuschlag für den Bau der Tankflugzeuge erteilt, was in den USA zu heftigen politischen Protesten und der Forderung nach einer Berücksichtigung von Boeing geführt hatte. Schließlich wurde eine Neuausschreibung beschlossen.

ANZEIGE

Gallois spottet

Bei EADS wurde das Aus im Ringen um den 35 Milliarden Dollar schweren Tankflugzeug-Auftrag mit einer Mischung aus Galgenhumor und Spott aufgenommen. „Die Folge ist, dass die USA nicht das beste Flugzeug bekommen werden, das es gibt“, kommentierte Konzernchef Louis Gallois mit einem Grinsen im Gesicht. „Das heißt, dass Australien, Großbritannien, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ein leistungsfähigeres Flugzeug haben werden als die US Air Force.“

EADS setzt in den Vereinigten Staaten künftig auf Zukäufe, um auf dem schwierigen Markt besser voranzukommen.


 



WEITERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT
Kein Sonderfall, sondern nur Spitze des Eisbergs

09.02.2012 - FRAGE: EU-Kommissarin Neelie Kroes hat in einem Interview gesagt, dass die Eurozone notfalls auch ohne Griechenland überleben könnte. Teilen Sie diese Einschätzung?
HOMBURG: Dass die Eurozone auch ohne Griechenland auskäme, wird wohl niemand bestreiten.mehr

Zweifel an Athen immer größer

09.02.2012 - Angesichts der Widerstände in Griechenland und der schleppenden Umsetzung des Reform- und Sparprogramms wachsen die Zweifel, dass Athen auch mit neuen Milliarden aus dem Schlamassel kommt. In nur wenigen Tagen müssen viele Hürden genommen werden.mehr

EU wappnet sich für Griechen-Pleite

09.02.2012 - Politik und Wirtschaft diskutieren zunehmend konkret einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Das gilt neuerdings auch für führende Vertreter in EU-Kreisen.
So sagte die Niederländerin Neelie Kroes, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, der Tageszeitung „Volkskrant“, die Eurozone könne notfalls auch ohne Griechenland überleben.mehr

Finanzminister beraten über Rettung

09.02.2012 - Die Euro-Finanzminister wollen an diesem Donnerstagabend über die Rettung Griechenlands beraten. Der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Premier- und Schatzminister Jean-Claude Juncker, teilte am Mittwoch in Luxemburg mit, er habe die Abend-Sitzung einberufen.mehr

Stadt im Zeichen des Bären

08.02.2012 - Woran erkennt man den Berlinale-Profi? Er sitzt um Punkt 10 Uhr morgens am Rechner und bricht in Wutanfälle aus, wenn der Kartenkauf im Internet nicht klappt. Oder er steht am Schalter in den Arkaden am Potsdamer Platz in der Schlange, mit einem ausgetüftelten Stundenplan.mehr

Anzeige
Umfrage

Die Bundesregierung will das Punktesystems für Verkehrsverstöße neu fassen. Sollen die Vorschriften verschärft werden?




Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Textfeld! Captcha
Marktplatz
Regional
Immobilien
Automarkt
Flohmarkt

Jobs
NWZ-Wetter
0 °C
-9 °C
Details/Prognose Wetterwarnung Regenradar
 
RSS-Dienste RSS-Dienste | RSS-Dienste Webcams | Mobil | Kontakt | Impressum | Login
AktuellesAus der RegionKundenserviceMarktplatzRat und Tat