Aus im Kampf um Jahrhundertgeschäft
RÜSTUNG Militärmarkt in US-Hand – EADS zieht Angebot für Tankflugzeug zurück
Auftanken in luftiger Höhe: Die Computergrafik der Firma Northrop Grumman, US-Partner von EADS, zeigt ein Tankflugzeug vom Typ KC-45 (oben). BILD: DPA

VON MICHAEL WOJTEK UND
Berlin - Das US-Verteidigungsministerium hat mit seiner neuen Ausschreibung eines Auftrags für Tankflugzeuge Verärgerung in Europa ausgelöst. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) warnte die USA am Dienstag vor Protektionismus. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und sein US-Partner Northrop Grumman hatten am Montag erklärt, dass sie sich aus dem Rennen um den Milliardenauftrag für die US-Luftwaffe zurückziehen.
Kein freier Wettbewerb
Brüderle zeigte sich enttäuscht über die Vorgehensweise des US-Verteidigungsministeriums bei der erneuten Ausschreibung des Auftrags. Nach der ursprünglichen Auswahl des Airbus A 330 MRTT durch die US-Luftwaffe werde mit der jetzigen Vorgehensweise der US-Konzern Boeing deutlich bevorzugt, sagte Brüderle. „Auch bei der Beschaffung von Rüstungsgütern sollte der freie Wettbewerb nicht einseitig eingeschränkt werden“, mahnte er. Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise schadeten „schon Anzeichen von Protektionismus“. Die Europäische Kommission zeigte sich besorgt, dass sich ein wichtiger potenzieller Anbieter außerstande sehe, für einen Auftrag dieser Art zu bieten.
Der EADS-Tanker KC-45 ist vom Großraumflugzeug Airbus A 330 abgeleitet und hat bisher alle internationalen Wettbewerbe gegen Boeings KC-767 gewonnen. Das Modell KC-767 basiert auf dem alten Verkehrsjet Boeing 767 und wurde überarbeitet. EADS hatte für den Airbus-Tanker ein eigenes Werk in den USA bauen wollen, in dem auch die A-330-Frachter montiert werden sollten.
Die Ende Februar vorgelegten Ausschreibungsbedingungen für den 35 Milliarden Dollar (25,8 Milliarden Euro) schweren Auftrag würden den Wettbewerber Boeing klar bevorzugen, hatten Northrop Grumman und EADS North America mitgeteilt. Nach dem Rückzug ist Boeing der einzige Bieter.
Airbus-Chef Thomas Enders warf der US-Regierung „Voreingenommenheit“ sowie unfaire Wettbewerbsbedingungen bei der Neuausschreibung des Milliardenauftrags für US-Betankungsflugzeuge vor. Dies seien die Hauptgründe für den Rückzug. Enders sagte, die jetzige Ausschreibung sei „maßgeschneidert auf den kleineren und weniger leistungsfähigeren Flieger der Konkurrenz. Es geht hier nicht mehr um das beste Tankflugzeug und auch nicht um einen fairen Wettbewerb“.
Die US-Regierung reagierte „enttäuscht“ auf den Rückzug von EADS und Northrop Grumman aus dem Bieterverfahren. Von Boeing hieß es in einer ersten Stellungnahme, man werde ein „transparentes und wettbewerbsfähiges Angebot“ vorlegen, das alle Bedingungen der Air Force erfülle. 2008 hatten die USA zunächst der EADS-Tochter Airbus zusammen mit Northrop Grumman den Zuschlag für den Bau der Tankflugzeuge erteilt, was in den USA zu heftigen politischen Protesten und der Forderung nach einer Berücksichtigung von Boeing geführt hatte. Schließlich wurde eine Neuausschreibung beschlossen.
Gallois spottet
Bei EADS wurde das Aus im Ringen um den 35 Milliarden Dollar schweren Tankflugzeug-Auftrag mit einer Mischung aus Galgenhumor und Spott aufgenommen. „Die Folge ist, dass die USA nicht das beste Flugzeug bekommen werden, das es gibt“, kommentierte Konzernchef Louis Gallois mit einem Grinsen im Gesicht. „Das heißt, dass Australien, Großbritannien, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ein leistungsfähigeres Flugzeug haben werden als die US Air Force.“
EADS setzt in den Vereinigten Staaten künftig auf Zukäufe, um auf dem schwierigen Markt besser voranzukommen.
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