WESTERLAND/SYLT, 19. März 2010


Klimawandel stellt größte Gefahr dar

WATTENMEER-KONFERENZ Auf Sylt beraten Experten über die Zukunft des Weltnaturerbes an der Nordsee


BIS 2030 SOLL DAS WATTENMEER ZUR KLIMANEUTRALEN ZONE WERDEN. DARAUF EINIGTEN SICH VERTRETER AUS DEUTSCHLAND, DÄNEMARK UND DEN NIEDERLANDEN.

VON TIMO LINDEMANN

Westerland/Sylt - Der Klimawandel bedroht das Wattenmeer. Das ist die Erkenntnis der 11. Wattenmeer-Konferenz zwischen Deutschland, Dänemark und den Niederlanden. 100 Wissenschaftler, Verbände und Politiker diskutierten am Donnerstag auf der Nordseeinsel Sylt über den Schutz des Wattenmeeres. Die drei Länder einigten sich darauf, die Wattenmeer-Region bis 2030 zu einer klimaneutralen Zone zu machen.

Ein Appell ging an Dänemark. „Das dänische Wattenmeer fehlt noch im Unesco-Welterbe. Ich möchte Dänemark ermutigen, das Wattenmeer-Naturerbe so bald wie möglich zu komplettieren“, sagte Schleswig-Holsteins Umweltministerin Juliane Rumpf (CDU) in Westerland.

Derzeit erstreckt sich das Welterbe nur über den niederländischen und deutschen Teil des Wattenmeeres. „Wenn Dänemark dazukommt, wäre es perfekt“, erklärte Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen. Die dänische Umweltministerin Karen Ellemann sagte dazu, bis zum Jahresende solle das dänische Wattenmeer als Nationalpark ausgewiesen sein. Dies sei ein Schritt in Richtung Welterbe.

Vielfältige Bedrohungen

Welterbe hin oder her – wirkliche Schutzmaßnahmen wären so wichtig, denn die Bedrohungen sind vielfältig. Wie zum Beispiel wirkt sich der Klimawandel auf das Wattenmeer aus? „Das ist die größte Herausforderung. Wenn in 100 Jahren das Wattenmeer nur noch halb so groß ist, hilft auch der Welterbetitel nicht“, sagte Hans-Ulrich Rösner, Leiter des Wattenmeerbüros der Naturschutzorganisation WWF.

Seine Lösung: „Wir müssen dem Watt die Möglichkeit geben, mit dem Meeresspiegelanstieg mitzuwachsen.“ So wie es die Halligen seit Jahrtausenden tun, doch diese Zeit hat das Watt nicht. Noch will sich Rösner allerdings nicht mit der Möglichkeit anfreunden, Sand aus der Nordsee zuzuführen wie bei den Sandaufspülungen auf Sylt.

Die nächste Frage: Wie soll mit eingeschleppten Tier- und Pflanzenarten umgegangen werden? Karsten Reise vom Alfred-Wegner-Institut berichtete, durch fremde Arten gehe die Identität des biologischen Systems verloren. „Es geht nicht darum, eingeschleppte Arten wieder zu entfernen, sondern die weitere Einschleppung zu verhindern“, sagte Rösner. Fremde Krebse, Muscheln, Quallen und Algen geraten vor allem durch das Ballastwasser großer Schiffe von einem Punkt der Welt an einen anderen und vermehren sich dort.

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Einklang mit den Menschen

Weitere Themen der Konferenz: Sicherheit bei Schiffen, Fischerei, Tourismus, Verschmutzung des Meeres und und und. Ursula Heinen-Esser (CDU), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundes-Umweltministerium und Vertreterin der deutschen Regierung, betonte, das Wattenmeer dürfe nur im Einklang mit den Menschen im betroffenen Gebiet geschützt werden. „Wir müssen akzeptieren, dass hier Menschen leben, arbeiten und auch Touristen kommen.“

Die sogenannte Trilaterale Regierungskooperation zum Schutz des Wattenmeeres gibt es schon seit 1978 – und kann laut Rösner bereits einige Erfolge vorweisen: Die Salzwiesen blühen inzwischen wieder, die Kegelrobben sind zurück.

Nach dem Ende der Konferenz auf Sylt übernimmt Dänemark den Vorsitz. Die drei Staaten treffen sich derzeit alle drei bis vier Jahre.

Weitere Infos unter

www.wattenmeer-

weltnaturerbe.de


 



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