Sparsames Licht mit reichlich Gift
Glühlampen-Verbot Umweltminister kritisiert Verwaltungsaufwand – Entsorgungsfrage noch ungelöst
Berlin - Vor rund 130 Jahren ging dem US-Amerikaner Thomas Alva Edison ein Licht auf. Seine Glühlampe enthielt einen Kohleglühfaden aus verkohlten Bambusfasern in einem evakuierten Glaskolben. Sie wurden in den USA patentiert. Damit begann der weltweite Siegeszug der Glühlampe, die später zumindest in Europa von fast allen Menschen genutzt wurde, um Licht zu erzeugen.
Nach dem Willen der Europäischen Union werden diese Lichter jetzt nach und nach wieder ausgehen. Vor einem Jahr wurde die 100-Watt-Birne verboten. Jetzt kommt das Aus für die Glühlampen mit 75 Watt Leistung. An diesem Mittwoch (1. September) tritt in Deutschland und den anderen EU- Staaten die zweite Stufe des Glühlampenausstiegs in Kraft. Dann dürfen keine neuen 75-Watt-Glühlampen mehr in den Handel gebracht werden. Restbestände können aber noch verkauft werden. Im Jahresabstand werden noch die 60-Watt- und schließlich die 40- und 25-Watt-Birnen vom Markt genommen.
Ziel der Vorschrift, die in der Öko-Design-Richtlinie der EU steht, ist ein geringerer Stromverbrauch und damit weniger Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid in die Umwelt. Stattdessen sollen Privatleute, Unternehmen und Kommunen Energiesparlampen einsetzen. Die stromsparenden Leuchtstofflampen enthalten eine geringe Menge Quecksilber und dürfen deswegen nicht mit dem Hausmüll entsorgt werden.
Kritik an Händlern
Die Deutsche Umwelthilfe kritisierte das bisherige Rücknahmesystem des Handels als mangelhaft. Testbesuche in Bau- und Elektromärkten sowie Drogerien hätten ergeben, dass nur knapp jeder fünfte Händler Sammelbehälter zur Abgabe von Altlampen aufgestellt habe. Das Prinzip der Freiwilligkeit sei gescheitert, deshalb müssten die Geschäfte gesetzlich zur Rücknahme verpflichtet werden. „Überall dort, wo die quecksilberhaltigen Energiesparlampen angeboten werden, müssen diese auch zurückgegeben werden können“, sagte Umwelthilfe- Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.
Nach Angaben der Lampenhersteller gibt es außer den Wertstoffhöfen der Kommunen im Handel derzeit 725 Sammelstellen für Verbraucher. Insgesamt sind es mehr als 2200 Stellen – auch für die Industrie. Dem Rücknahmesystem hat sich aber nur die Hälfte der Hersteller angeschlossen.
Sander: Geringer Nutzen
Die Abschaffung der Glühlampen ruft aber auch Kritiker wie Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) auf den Plan. „Der Verwaltungsaufwand ist immens, der Nutzen gering“, sagte Sander dieser Zeitung. Bei der Umsetzung der Ökodesign-Richtlinie für energiebetriebene Produkte sei die Entsorgungsproblematik für Energiesparlampen nach wie vor ungelöst, kritisierte er. Sander: „Energiesparlampen müssen als Zwangsersatz herhalten, obwohl deren Quecksilbergehalt die Entsorgung als Sondermüll erfordert und es bislang kein zufriedenstellendes Rücknahmesystem gibt“. Mit dem Ergebnis, dass derzeit sieben von zehn verbrauchten Energiesparlampen im Hausmüll landeten und die Umwelt mit Quecksilber belasteten.
In einem persönlichen Schreiben an Bundesumweltminister Norbert Röttgen, Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle und EU-Kommissar Günther Oettinger hatte Sander nach eigenen Angaben bereits im April gebeten, sich auf europäischer Ebene für die Möglichkeiten der freiwilligen Vereinbarung einzusetzen. Nach seiner Ansicht sieht die Ökodesign-Richtlinie ausdrücklich den Vorrang der Selbstregulierung vor.
Grüne: Nicht genug
Der Grünen-Fraktionschef im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel, hält das Glühlampen-Verbot nicht für den großen Durchbruch in der Energiepolitik. „Man muss viel weiter gehen“, sagte Wenzel. Er forderte einen Ausstieg aus der Atomenergie und mehr Investitionen in erneuerbare Energien. „Es ist aber gerechtfertigt, eine veraltete Technik vom Markt zu nehmen“, meinte Wenzel mit Blick auf die alte Glühlampen-Technik.
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