Neuer Personalausweis stößt auf Skepsis
Der Chaos Computer Club übt Kritik am neuen Personalausweis. Die Chipkarte sei konzeptionell schwach und technisch fragwürdig.
Berlin - Wer künftig einen neuen Personalausweis braucht, bekommt den Ausweis mit integriertem Chip. Damit kann man die eigene Identität auch bei Online-Geschäften nachweisen – muss dies aber nicht. In welchem Umfang man den neuen Personalausweis nutzen will, bestimmt jeder selbst.
Schon vor der Premiere zum 1. November gibt es viel Kritik. Das Urteil des Chaos Computer Clubs (CCC) zum neuen Personalausweis fällt vernichtend aus: Konzeptionell schwach, technisch fragwürdig. Eine Studie von Informatikern ergab: Zu kompliziert. Und Verbraucherschützer sagen: Man muss aufpassen.
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Artikel: Behörden zeigen sich von Sicherheit überzeugt
Artikel: Bürgerämter fürchten Flut von Anträgen
Link: Informationen des Bundesinnenministeriums zum Personalausweis
Link: Das schreibt Wikipedia zum neuen Personalausweis
Die Unsicherheit rührt daher, dass der neue Personalausweis gleich mehrere Aufgaben erfüllt. Er dient erstens als Ausweis bei behördlichen Aufgaben, etwa bei der Polizei- oder Grenzkontrolle. Zweitens kann er optional als Identitätsnachweis für Online-Geschäfte eingesetzt werden. Und drittens ist die Plastikkarte auch für die elektronische Signatur verwendbar, um zum Beispiel digitale Dokumente rechtsverbindlich zu unterschreiben.
„Da verschwimmen die Konturen zwischen Staat, Gesellschaft und Wirtschaft“, sagt der Münchener Politikwissenschaftler Werner Weidenfeld. Dies sei allerdings nicht nur beim Personalausweis, sondern auch in anderen Bereichen zu sehen. Zumal in der Regelung des Wirtschaftslebens jetzt vieles von Brüssel vorgegeben werde, was zuvor die Regierung gestaltet hat.
Neu ist auf dem Personalausweis zudem die Postleitzahl sowie ein Feld für den „Ordens- oder Künstlernamen“. Die Postleitzahl sei zwar keine hoheitliche Aufgabe, erklärt Fraunhofer-Experte Jens Fromm bei einer Führung durch das Test- und Dokumentationszentrum Neuer Personalausweis in Berlin. Es habe aber Interesse von Seiten der Wirtschaft gegeben, diese Information aufzunehmen.
Vier Unterschriften für den neuen Personalausweis
Vier Unterschriften muss man beim Antrag für einen neuen Personalausweis leisten, darunter auch die Einwilligung zur sogenannten eID-Funktion: Nur nach ausdrücklicher Zustimmung lässt sich der 28,80 Euro teure Ausweis für den Identitätsnachweis im Internet nutzen. Entscheidet man sich erstmal dagegen, kann man dies später immer noch einrichten. Die Änderung kostet dann allerdings sechs Euro.
Die Möglichkeit, sich im Internet ausweisen zu können, sei durchaus eine hilfreiche Neuerung, die manches bequemer mache, erkennt Verbraucherschützerin Cornelia Tausch an. Die Leiterin des Fachbereichs Wirtschaft bei der Verbraucherzentrale Bundesverband fügt aber hinzu: „Der Einsatz des elektronischen Personalausweises ist kein Gütesiegel.“
Personalausweis: Mängel an der Software festgestellt
Mit Blick auf die besonderen Sicherheitsanforderungen bei der Verwendung im Internet sagt Tausch: „Dem Verbraucher wird zugemutet, dass der Rechner virenfrei und mit einer Firewall ausgestattet ist. Nicht jeder ist in der Lage, dies auch zu leisten.“
Mängel an der bisherigen Gestaltung der Software für den Online-Ausweis hat das Hasso-Plattner-Institut an der Universität Potsdam festgestellt. Institutsleiter Christoph Meinel erklärte, beim Test der bisherigen Version der „AusweisApp“ mache schon die Installation Probleme: „Selbst Informatiker brauchten Zeit, um das Programm zum Laufen zu bringen.“
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