BERLIN, 6. April 2011


Ein bekennender Liberaler mit Fan-Club

Fdp Erwartungen an den Parteivorsitzenden aus Niedersachsen sind hoch


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Gratulation: Der designierte Parteichef der FDP wurde in Berlin von seiner Partei herzlich empfangen. BILD: DPA  Bild vergrößern

von Gunars Reichenbachs, Büro Berlin

Berlin - „Philipp Rösler? Wenn es einen Fan-Club von ihm gäbe, wäre ich erster Vorsitzender“, sagt Jörg van Essen, Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion. Der sonst so bedächtige Alt-Liberale, den einst Helmut Kohl zum Justizminister machen wollte, gerät ins Schwärmen, wenn er den designierten Parteivorsitzenden beschreiben soll. Die Erwartungen an den Niedersachsen sind tatsächlich groß.

„Er wird mehr Sachlichkeit in die oft zu hektisch und emotional geführten Debatten bringen“, glaubt der Bremer Bundestagsabgeordnete Torsten Staffeldt. FDP-Generalsekretär Christian Lindner fallen vier Begriffe zum designierten Parteivorsitzenden ein: „Gradlinigkeit, aufrichtiger Liberalismus, Standfestigkeit und Humor“. Für die Delmenhorster Bundestagsabgeordnete Angelika Brunkhorst schlicht „ein Wunschkandidat“, der „breite Unterstützung bekommen wird“.



In jeden Fall kann der Bundesgesundheitsminister mit mehreren Premieren zum Amtsantritt an der liberalen Spitze aufwarten: Mit 38 Jahren jüngster Vorsitzender seiner Partei, der erste „Chef“ mit Migrationshintergrund und als bekennender Katholik eher eine Ausnahme bei der Kirchen-kritischen FDP.

Vielleicht lüftet Rösler auf dem Parteitag Mitte Mai in Rostock auch ein Geheimnis: Wie konnte er seine Frau Wiebke überzeugen, dass die Familie Ja sagt zu der immensen Belastung aus Parteiamt, Bundesminister, (noch) Landeschef in Niedersachsen und als Vater mit enger Bindung an seine zwei kleinen Zwillingsmädchen.

Familie – das prägt den studierten Augenarzt. Mit neun Monaten wurde der Kriegswaise aus Vietnam von deutschen Eltern adoptiert, die selbst zwei Töchter hatten. Nach der Trennung lebte Rösler bei seinem Vater, einem Hubschrauber-Piloten der Bundeswehr und SPD-Mitglied, u.a. in Bückeburg und Hannover. Er selbst ging ebenfalls zur Bundeswehr, studierte Medizin – und legte nach seinem Eintritt in die FDP 1992 eine Blitzkarriere hin: Generalsekretär (2000), Parteichef (2006), Landtagsabgeordneter, Landeswirtschaftsminister ab Februar 2009 und Bundesgesundheitsminister ab Oktober 2009. Mit dem neuen Vorsitzenden könnte die FDP ein stärker soziales Profil gewinnen. Solidarität ist für den Familien-Menschen Rösler die Klammer für die ganze Gesellschaft.

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