Retten, was nicht mehr zu retten war
Mauerbau Historiker Manfred Wilke: „SED hat sich 28 Jahre Zeit erkauft“
Verlauf, Beobachtungstürme, Laufanlagen für Wachhunde, Elektro-Drahtzäune - Die Berliner Mauer im Detail. Die Berliner Mauer war mehr als 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung. Mit ihrem Bau wurde am 13. August 1961 begonnen - nur zwei Monate nach der Versicherung von DDR-Staatschef Walter Ulbricht: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten." Erst am 9. November 1989 fiel sie unter dem Druck der DDR-Bevölkerung. Querformat 200 x 135 mm, Grafik: F. Bökelmann, Redaktion: K. Klink BILD: dpa-infografik GmbH 
Berlin - Schon vor Beginn des Mauerbaus vor fast 50 Jahren war das Schicksal der DDR nach Einschätzung des Historikers Manfred Wilke besiegelt. Das habe auch SED-Chef Walter Ulbricht gewusst. „Durch den Mauerbau hat sich die SED 28 Jahre Zeit erkauft“, so der ehemalige Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin.
Ulbricht habe schon 1962 an den sowjetischen Parteichef Nikita Chruschtschow geschrieben, dass die DDR bei einer offenen Grenze den Konkurrenzkampf mit dem Westen nicht bestanden hätte.
Die Mauer war nach seiner Darstellung ein letzter Versuch zu retten, was nicht mehr zu retten war. Dies sei nicht nur in enger Abstimmung der DDR- mit der UdSSR-Führung geschehen, sondern sogar auf Befehl Chruschtschows. „Es oblag nicht der SED, eigenmächtig zu entscheiden, was in Berlin zu geschehen hatte.“
Die Entwicklung hin zur Teilung habe schon Jahre zuvor begonnen. Mit dem Berlin-Ultimatum 1958 habe Chruschtschow versucht, die westlichen Alliierten aus Berlin zu verdrängen. Planungen für den Bau einer Mauer habe es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben. Da US-Präsident John F. Kennedy jedoch auf dem Status Quo beharrt habe, sei es in Moskau zu einem Umdenken gekommen. Die Planungen für eine Grenzschließung hätten in der SED spätestens ab Anfang 1961 konkrete Formen angenommen. „Ulbricht brauchte die Grenzsperrung, um den Flüchtlingsstrom in den Westen zu stoppen“, erklärte Wilke.
Bis August 1961 sei die Grundsatzentscheidung zur Grenzschließung gefallen, anschließend sei es darum gegangen, diese nach außen zu legitimieren. Am 10. August habe der neue sowjetische Oberbefehlshaber in Berlin, Marschall Iwan Konew, die zuständigen DDR-Minister über das Okay aus Moskau informiert. Der DDR-Ministerratsbeschluss, der zwei Tage später getroffen wurde, war rein formaler Natur.
Am Morgen des 13. August 1961 begann die Abriegelung der West-Sektoren. Der Sonntag war laut Wilke bewusst gewählt worden. In einer Besprechung zu den Details des Vorgehens hätten sich Ulbricht und Chruschtschow darauf verständigt, die Ruhe des Wochenendes zu nutzen. Auch dass Haustüren, die in die West-Sektoren führten, zugemauert werden sollten, wurde geregelt. Nichts wurde dem Zufall überlassen, um die DDR mit dem „antifaschistischen Schutzwall“ gegen die BRD abzuschirmen.
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