Keine Wunder erwarten
Der ehemalige Leiter der deutschen Redaktion von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen, warnt vor falschen Erwartungen an den Papstbesuch. Benedikt XVI. könne die Atmosphäre verbessern, aber keine großen theologischen Fortschritte erreichen.
FRAGE: Was können wir vom Treffen des Papstes mit Vertretern der evangelischen Kirche erwarten?
GEMMINGEN: Erwarten Sie bitte keine Wunder. Das, was man in jahrzehntelangem, ernsthaftem theologischen Dialog nicht erreicht hat, kann man auch in einer halben Stunde nicht erzwingen. Ich warne davor, große inhaltliche Schritte zu erwarten. Benedikt kann aber die Atmosphäre ändern und Worte sagen, die Hoffnung machen.
FRAGE: Sie haben gesagt, Papst Johannes Paul II. habe die Welt verwöhnt. Was sind die Unterschiede im Temperament der beiden Päpste?
GEMMINGEN: Johannes Paul II. hat es verstanden, Hoffnung auszustrahlen. Benedikt XVI. ist für so etwas einfach weniger begabt. In entscheidenden theologischen und moralischen Fragen vertreten sie aber dieselbe Position.
FRAGE: Sind der Stolz und das „Wir sind Papst“-Gefühl der Deutschen langsam verschwunden?
GEMMINGEN: Die breite Masse, die von Theologie nicht viel Ahnung hat, wird immer noch stolz sein auf ihn. Aber die kirchlich Engagierten, die sich wünschen, dass die Frauen eine größere Rolle spielen und dass es demokratischer zugeht in der Kirche, fragen sich, wie es weitergeht.
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