„Werde nach der Rede nicht konvertieren“
Papstbesuch Nordwest-Abgeordnete sehen Benedikts Auftritt im Bundestag gelassen
Berlin - Der Papst kommt – und die meisten Bundestagsabgeordneten aus dem Nordwesten gehen an diesem Donnerstag hin.
„Ich freue mich auf Benedikt XVI. im Plenum“, sagt Staatssekretär Thomas Kossendey (CDU, Edewecht). Von der Papst-Rede erwartet Kossendey einen Anstoß für die Besinnung auf Werte, einen „Kompass für die Menschen“. Keinerlei Verständnis hat der Ammerländer für die teils harsche Kritik am Papst-Besuch. „Oftmals sind es genau diejenigen, die zu mehr Toleranz gegenüber den Muslimen aufrufen“, sagt Kossendey.
Der Vorsitzende des CDU-Landesverbands Oldenburg, Franz-Josef Holzenkamp, ist höchst gespannt auf den Papst-Auftritt. „Es ist ein historisches Ereignis und für mich als Katholik ein ganz besonderes Erlebnis. Ich bin gleichzeitig neugierig, seine Ausführungen zu hören.“
Auch die Sprecherin der niedersächsischen FDP-Landesgruppe im Bundestag, Angelika Brunkhorst (Oldenburger Land) will „auf jeden Fall dabei sein, wir Liberale sind tolerant“. Die FDP-Politikerin empfindet „einen großen Respekt“ vor Ratzingers Lebensleistung. „Dennoch“, sagt Brunkhorst lächelnd, „werde ich nicht im Anschluss an die Rede konvertieren.“
Für die Oldenburgerin Christiane Ratjen-Damerau (FDP) „ist es schon toll, dass ein Deutscher Papst ist“. So nahe werde sie Benedikt XVI. sicher nicht noch einmal erleben, deshalb werde sie sich die Rede anhören. „Als Liberale“ hätte Ratjen-Damerau nichts dagegen, auch andere große Religionsführer zu hören. „Warum lädt man nicht den Dalai Lama ein“, fragt die Oldenburgerin.
FDP-Chef Philipp Rösler wirbt um „innere Offenheit“ und eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit dem Papst. Die Kirche sei in der Lage, durchaus sinn- und friedensstiftend zu wirken.
Bei Sozialdemokraten fällt die spürbare Zurückhaltung auf. „Ich gehe hin, aber ich muss mich ja nicht in die erste Reihe setzen“, sagt ein Sozialdemokrat aus Niedersachsen – und spricht für viele Kollegen. „Ich teile viele Auffassungen des Papstes nicht“, bekennt Garrelt Duin (Hinte), Sprecher des konservativen Seeheimer Flügels in der SPD. „Aber es gehört sich, ihn mit Respekt zu empfangen und sich seine Rede anzuhören“, ergänzt Duin, der – evangelisch-reformiert – neben Jura auch evangelische Theologie studiert hat. Von 146 SPD-Abgeordneten wollen etwa 30 dem Auftritt Benedikts XVI. fern bleiben. Dazu gehört auch Holger Ortel (Delmenhorst). Er erledige stattdessen dringende „Büroarbeiten“.
Etwa 100 weitere Bundestagsabgeordnete aus allen Fraktionen werden den Papst-Auftritt boykottieren. Auf die Einladung zur Segnung wollen Linke-Fraktionschef Gregor Gysi („Das wäre etwas frech, wenn ich das mache“) und Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin dankend verzichten. „Das hilft nicht“, glaubt der Niedersachse Trittin.
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