13. Januar 2012


„Es muss viel Geld investiert werden“

Kriminalität Jörg Duvenhorst mahnt erheblichen Nachholbedarf an


Der Vorsitzende des Vereins für Richter und Staatsanwälte fordert flächendeckende Eingangskontrollen in Gerichten. Konfliktpotenzial ergebe sich oft bei Familiensachen, wenn Emotionen im Spiel seien.

von Hans Begerow

FRAGE: Herr Duvenhorst, das Attentat auf einen Staatsanwalt und einen Richter im Amtsgericht Dachau . . .
DUVENHORST: . . .  hat uns alle sehr betroffen gemacht. Der Richterbund und die Kollegen fordern deutliche Verbesserungen der Sicherheitsvorkehrungen in Justizgebäuden. Nicht nur in Gerichten, sondern auch in den Gebäuden der Staatsanwaltschaften.

FRAGE: Wie steht es mit Einlasskontrollen?
DUVENHORST: Es müssen flächendeckend Eingangskontrollen stattfinden, nicht nur an den Oberlandesgerichten und Landgerichten, auch an den Amtsgerichten.

FRAGE: Sind denn alle Gerichte vorbereitet auf solche Kontrollen?
DUVENHORST: Leider nicht. Es muss viel Geld investiert werden, um die Sicherheit in den Gerichten zu verbessern. Und noch ein weiteres Problem: Es gibt nicht genug Justizwachtmeister. Die sind nämlich für die Sicherheit in den Gerichten zuständig.

FRAGE: Noch mal zum Fall in Dachau. Kann so ein Vorfall überall stattfinden?
DUVENHORST: Die Erfahrungen zeigen, dass damit leider zu rechnen ist. Der Fall in Dachau zeigt, dass es zu flächendeckenden Eingangskontrollen keine Alternative gibt. Leider scheitert es in der Praxis aber am Geld.

FRAGE: Die bayerische Justizministerin hat gesagt, dass die Justiz sich nicht in einer Trutzburg einnisten dürfe, Gerichte müssten auch weiterhin öffentlich tagen.
DUVENHORST: Diese Einschätzung teile ich nicht. Es können sehr wohl öffentliche Verhandlungen stattfinden, nachdem alle Besucher durchsucht worden sind. Das Argument von der Transparenz der Justiz ist in diesem Fall keines, das trägt.

FRAGE: Reichen denn nicht stärkere Sicherheitsvorkehrungen in den Fällen, wo die Angeklagten aus der Haft vorgeführt werden oder an Landgerichten?
DUVENHORST: Das Problem sind nicht immer die Haftsachen, denn die Angeklagten, die aus Untersuchungshaft vorgeführt werden, kommen ja aus einer gesicherten Umgebung. Das Problem sind vielmehr Familiensachen, die oft emotional belasten, sowie Strafverfahren generell, aber auch Besucher des Gerichts können eine Gefahr darstellen. Die Durchsuchungen zeigen, dass Menschen Waffen tragen, seien es Messer, Pfefferspray oder Schlagstöcke.

FRAGE: Auch an kleinen Gerichten?
DUVENHORST: Der Fall zeigt, dass wir wesentlich mehr tun müssen. Das, was es an Sicherheitsvorkehrungen an den Gerichten oder den Gebäuden der Staatsanwaltschaft gibt, reicht längst nicht aus.

ANZEIGE






WEITERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT
Das andere Amerika – Protest der Minderheiten

22.05.2012 - Es war eine kleine, radikale Minderheit, die in Chicago demonstrierte. Es waren Gruppen und Grüppchen, die sonst kein Gehör finden in den USA. „Gegen die Kriegsmaschinerie der NATO“, hieß die Parole.mehr

Raketen schützen vor Schurkenstaaten

22.05.2012 - Die NATO ist bei der Raketenabwehr einen wichtigen Schritt vorangekommen: Das System, das das Bündnis vor Angriffen sogenannter Schurkenstaaten wie Iran und Nordkorea schützen soll, ist in Teilen einsatzbereit.mehr

Tragik eines unbeirrbaren Träumers

21.05.2012 - Es war einer jener legendären Sonntage auf dem Barkenhoff. So scheint es. Familie und Freunde von Heinrich Vogeler versammelten sich zum Musizieren auf die stilvoll von Lorbeerbäumen und Empire-Urnen eingerahmte Terrasse.mehr

„Er wollte die Welt schöner und angenehmer machen“

21.05.2012 - FRAGE: In seinem Frühwerk malt Heinrich Vogeler vor allem romantische Märchenbilder, später beschäftigt er sich mit der realistischen Darstellung des Arbeiteralltags. Wie passt das zusammen?
ARNOLD: Es ist erst mal ein offensichtlicher Bruch, weil die Bilder natürlich einen ganz anderen Charakter haben.mehr

Ministerin: Worpswede erfolgreich

21.05.2012 - Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) hat die Schirmherrschaft über das Worpsweder Ausstellungsprojekt übernommen. Die Ausstellungen in den neu hergerichteten Räumen würden zeigen, dass der Masterplan Worpswede, für den neun Millionen Euro unter Beteiligung des Landes bereitgestellt worden sind, „auf Erfolgskurs“ ist.mehr

Anzeige
Umfrage

Steigt Fortuna Düsseldorf nach den Ausschreitungen beim Relegationsspiel zu Recht in die Fußball-Bundesliga auf?




Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Textfeld! Captcha
Marktplatz
Regional
Immobilien
Automarkt
Flohmarkt

Jobs
NWZ-Wetter
27 °C
13 °C
Details/Prognose Wetterwarnung Regenradar
 
RSS-Dienste RSS-Dienste | RSS-Dienste Webcams | Mobil | Kontakt | Impressum | Login
AktuellesAus der RegionKundenserviceMarktplatzRat und Tat