Streit zwischen Regierungsparteien behindert Hilfe
Schuldenkrise Lucas Papademos fordert Unterstützung von drei Spitzenpolitikern mit eigenen Zielen
Athen - Gefühle zeigt er fast nie und er ist stets höflich. Er spricht deutlich, langsam und trifft das Thema genau auf den Punkt. Lucas Papademos (64), seit November an der Spitze der Regierung des vom Bankrott bedrohten Griechenland, macht seitdem so seine Erfahrungen mit den Spitzenpolitikern, die seine Regierung unterstützen. Eigentlich sollen alle zusammen das Land vor der Pleite retten. Doch die Politiker haben auch Hintergedanken. Sie müssen sich positionieren mit Blick auf die Wahlen, die nach einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen zum Schuldenschnitt und dem neuen Hilfsprogramm stattfinden sollen.
„Schlimme Medizin“
Da ist der konservative Chef der bürgerlichen Nea Dimokratia (ND), Antonis Samaras (60). Sein Ziel ist es zu zeigen, dass Athen auch ein Wort bei den Verhandlungen um die Sparprogramme mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mitspricht. Seit Beginn der Krise hatte er immer wieder gesagt: „Das Medikament ist schlimmer als die Krankheit.“ Die Überdosis an Sparmaßnahmen würge die Wirtschaft ab.
Wie aber Wachstum kommen soll, wenn die reichen Griechen und ihre Banken nicht investieren und das Geld ins Ausland schaffen, kann Samaras nicht sagen.
Papademos hat auch mit dem Sozialisten Giorgos Papandreou (59) zu tun: Er hatte das Land bis November 2011 regiert. Papandreou wirkt müde, seine Haare sind grauer geworden, tiefe Falten zeichnen seine Stirn. Umfragen prophezeien, dass seine Partei die Panhellenische Sozialistische Gesamtbewegung (PASOK) bei den neuen Wahlen einen Einbruch erleben könnte. Papandreou will nach eigenen Angaben bald den Weg für einen neuen Mann an der Spitze der Sozialisten frei machen. Als aussichtsreichster Kandidat gilt der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos.
Und dann ist da noch der Chef der kleinen rechtsgerichteten ultrakonservativen Völkischen Orthodoxen Gesamtbewegung (LAOS), Giorgos Karatzaferis (64). Er präsentiert sich als Beschützer des Volkes. Nie werde er Maßnahmen akzeptieren, die die Griechen „verelenden“ lassen. Das würde zu „Revolutionen“ führen, die sich wie ein „Lauffeuer“ in Europa verbreiten könnten.
Zwischen den Fronten
Zwischen diesen Fronten manövriert Papademos seit November durch die Felsen der griechischen Politik. Und manchmal lässt er durchsickern, dass er nicht zögern werde zurückzutreten, sollten die drei Spitzenpolitiker seine Politik nicht unterstützen. „Wenn eine der großen Parteien nicht mitmacht, dann hat’s keinen Sinn“, sagt ein enger Mitarbeiter des Regierungschefs immer wieder.
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