Experten fürchten bei Pleite einen Flächenbrand
Berlin - Die Griechenland-Rettung nimmt immer dramatischere Züge an. Dem hoch verschuldeten Euro-Land droht die Staatspleite, sollte Athen mit dem Sparen nicht entscheidend vorankommen und sich nicht mit den privaten Gläubigern auf einen Schuldenschnitt einigen können.
Bei Staaten gibt es im Falle einer Insolvenz kein geregeltes Prozedere wie zum Beispiel bei der Insolvenz eines Unternehmens. Es könnte also kein Insolvenzverwalter das Staatsvermögen unter den Gläubigern aufteilen. Gefürchtet wird im Fall Griechenland vor allem die „ungeordnete Insolvenz“.
Angenommen, jemand hat Schulden in Höhe von 100 Euro. Steht diese Person vor der Pleite, kann sie das Geld nicht komplett zurückzahlen und bietet stattdessen 50 Euro an. Wenn sich der Kreditgeber damit zufriedengibt, spricht man von einem geordneten Zahlungsausfall. Wenn der Schuldner die Rückzahlung aber verweigert oder es keine Zeit mehr für eine Einigung gibt, handelt es sich um eine „ungeordnete Insolvenz“.
Ein Austritt aus dem Euro wäre die logische Konsequenz. Und die Einführung der alten Währung, der Drachme, dürfte höchstwahrscheinlich wegen der mangelnden Wirtschaftskraft mit einer hohen Abwertung einhergehen. Außerdem müsste das Land seine Staatsausgaben angesichts mangelnder Kreditwürdigkeit drastisch reduzieren.
Viele Experten befürchten einen Domino-Effekt und damit ein Übergreifen auf andere Staaten, wenn nicht gar einen Flächenbrand wie nach dem Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Auch wären viele Gläubiger auf einen abrupten Zahlungsausfall nicht vorbereitet – wie etliche Banken in Europa, die griechische Anleihen in ihren Büchern haben. Doch auch für andere hoch verschuldete Euro-Staaten ist das Risiko in einem solchen Fall kaum kalkulierbar.
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