9. Februar 2012


Kein Sonderfall, sondern nur Spitze des Eisbergs

Schuldenkrise Finanzwissenschaftler Homburg erwartet kein freiwilliges Ausscheiden Griechenlands


Der Experte begrüßt die deutsch-französische Idee eines Sonderkontos. Europas Politik rät er zu mehr Gelassenheit.

von Jörg Schürmeyer

FRAGE: EU-Kommissarin Neelie Kroes hat in einem Interview gesagt, dass die Eurozone notfalls auch ohne Griechenland überleben könnte. Teilen Sie diese Einschätzung?
HOMBURG: Dass die Eurozone auch ohne Griechenland auskäme, wird wohl niemand bestreiten. Allerdings erscheint die Aussage von Frau

Kroes eher als ein Säbelgerassel, mit dem Griechenland zum Einlenken bewegt werden soll. Im vergangenen Jahr hat Frau Kroes übrigens das Gegenteil behauptet.

FRAGE: Was würde ein Ausscheiden Griechenlands für die Eurozone bedeuten?
HOMBURG: Darüber habe ich noch nie nachgedacht, weil das Ausscheiden deutsches Wunschdenken ist: Griechenland kann nicht gegen seinen Willen ausgeschlossen werden, und freiwillig wird es kaum gehen und damit auf Milliardensubventionen verzichten.

FRAGE: Hätte Griechenland außerhalb der Eurozone bessere Chancen, sich aus der Krisensituation zu befreien?
HOMBURG: Das hängt sehr von den Annahmen ab, die man trifft. In welcher Währung zahlt Griechenland dann seine Schulden zurück? Erhält es weiter Beistand vom Rettungsschirm?

FRAGE: Deutschland und Frankreich haben die Idee eines Sonderkontos für Griechenland ins Spiel gebracht. Würde dies helfen?
HOMBURG: Das Sonderkonto ist eine gute Idee: Die Zahlungen fließen nicht an Griechenland, sondern direkt an die Gläubigerbanken. Allerdings macht dieser Zahlungsweg auch in peinlicher Weise transparent, wer durch den Rettungsschirm eigentlich gerettet werden soll – nicht die Länder, sondern die Banken.

FRAGE: Ist eine Staatspleite Griechenlands überhaupt noch zu verhindern?
HOMBURG: Eine Staatspleite Griechenlands ist genau so zu verhindern wie eine Pleite des Saarlandes oder Bremens: Die Geber zahlen unbegrenzt weiter.

FRAGE: Glauben Sie, dass Griechenland ein Sonderfall ist und man die Probleme in den anderen kriselnden Euro-Staaten in den Griff bekommen kann?
HOMBURG: Griechenland ist kein Sonderfall, sondern eher ein Vorreiter. Die Finanzpolitik anderer Staaten, darunter auch Italiens und Frankreichs, ist kaum besser und wird möglicherweise ebenfalls Rettungsbedarf auslösen. Für Portugal, Irland und Spanien

ANZEIGE

gilt das erst recht.

FRAGE: Was raten Sie Europas Politik zur Bewältigung der Schuldenkrise?
HOMBURG: Europas Politik sollte gelassener und weniger erratisch sein. Die Staats- und Regierungschefs sollten mehr auf den gesunden Menschenverstand setzen und weniger auf die Einflüsterungen der Finanzindustrie.






WEITERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT
Das andere Amerika – Protest der Minderheiten

22.05.2012 - Es war eine kleine, radikale Minderheit, die in Chicago demonstrierte. Es waren Gruppen und Grüppchen, die sonst kein Gehör finden in den USA. „Gegen die Kriegsmaschinerie der NATO“, hieß die Parole.mehr

Raketen schützen vor Schurkenstaaten

22.05.2012 - Die NATO ist bei der Raketenabwehr einen wichtigen Schritt vorangekommen: Das System, das das Bündnis vor Angriffen sogenannter Schurkenstaaten wie Iran und Nordkorea schützen soll, ist in Teilen einsatzbereit.mehr

Tragik eines unbeirrbaren Träumers

21.05.2012 - Es war einer jener legendären Sonntage auf dem Barkenhoff. So scheint es. Familie und Freunde von Heinrich Vogeler versammelten sich zum Musizieren auf die stilvoll von Lorbeerbäumen und Empire-Urnen eingerahmte Terrasse.mehr

„Er wollte die Welt schöner und angenehmer machen“

21.05.2012 - FRAGE: In seinem Frühwerk malt Heinrich Vogeler vor allem romantische Märchenbilder, später beschäftigt er sich mit der realistischen Darstellung des Arbeiteralltags. Wie passt das zusammen?
ARNOLD: Es ist erst mal ein offensichtlicher Bruch, weil die Bilder natürlich einen ganz anderen Charakter haben.mehr

Ministerin: Worpswede erfolgreich

21.05.2012 - Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) hat die Schirmherrschaft über das Worpsweder Ausstellungsprojekt übernommen. Die Ausstellungen in den neu hergerichteten Räumen würden zeigen, dass der Masterplan Worpswede, für den neun Millionen Euro unter Beteiligung des Landes bereitgestellt worden sind, „auf Erfolgskurs“ ist.mehr

Anzeige
Umfrage

Steigt Fortuna Düsseldorf nach den Ausschreitungen beim Relegationsspiel zu Recht in die Fußball-Bundesliga auf?




Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Textfeld! Captcha
Marktplatz
Regional
Immobilien
Automarkt
Flohmarkt

Jobs
NWZ-Wetter
27 °C
13 °C
Details/Prognose Wetterwarnung Regenradar
 
RSS-Dienste RSS-Dienste | RSS-Dienste Webcams | Mobil | Kontakt | Impressum | Login
AktuellesAus der RegionKundenserviceMarktplatzRat und Tat