Jäger brüsten sich mit Schüssen auf Zugvögel
„Umstrittene Jagd auf Wildgänse“, Oldenburg Land, 7. Januar
Während die Zugvogeljagd der Italiener von den Deutschen scharf verurteilt wird, gilt die Jagd auf Zugvögel hierzulande als anerkannter Sport. Fragt man nach einem vernünftigen Grund für den Abschuss der Zugvögel, dann erhält man die Antwort, die Gänse würden schließlich gegessen. Genau das tun natürlich auch die Italiener. Was die oftmals armen Jäger erlegen, verzehren sie. Der Überschuss wird verkauft. Ob nun aus dem Millionenheer der kleineren Vögel zigtausend oder aus dem Vogelzug der Wasservögel einige tausend geschossen werden, es ist ein vergleichbarer Aderlass.
Manche Jäger brüsten sich, an einem Tag 40 oder 70 Vögel geschossen zu haben, obwohl hier keine Armut herrscht und aus den Massentierställen Millionen Enten, Hühner, Puten usw. billig zu haben sind. Jäger geben sich gern das Ansehen, „Schädlinge“ kurz zu halten und Schaden von der Landwirtschaft abzuwehren, da aber Landwirte, deren Äcker von den Vögeln abgeweidet wurden, von der EU Ausgleichszahlungen erhalten, muss kein Schaden abgewendet werden.
Auch düngen die weidenden Vögel den Acker. Auch die Begründung der Jäger, die Vögel hätten sich vermehrt, darum seien so viele Vögel wie nie zuvor auf den Rastplätzen, ist nicht stichhaltig. Die hohe Dichte hat mehr damit zu tun, dass die Landschaft an der Küste dichter bebaut wird mit Tourismus und Verkehrsanlagen, dazu mit Windparks, die von Zugvögeln gemieden werden, und besonders mit der rasanten Umwandlung von Grünland in Äcker (...).
Dorothea Meinsen, Friesoythe
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