23. Januar 2010


Kämpfen für ein korruptes Regime?

Von klaus bölling



Man muss die Binsenweisheit niederschreiben: Der Feldzug gegen die Taliban ist militärisch nicht zu gewinnen. Vom US-Oberkommandierenden Stanley McChrystal bis zu den einfachen Soldaten, die am Hindukusch ihr Leben riskieren, weiß das jeder. Auf der Afghanistan-Konferenz nächste Woche in London wird sich niemand getrauen, das öffentlich zu sagen. Die vor acht Jahren von der UNO gutgeheißene Intervention hat die Lage der Afghanen kaum oder gar nicht verbessert. Das Ziel der USA und ihrer NATO-Verbündeten war doch immer, dem Volk der Afghanen den Frieden zu bringen und beim Aufbau einer Zivilgesellschaft zu helfen. Da ist viel Gutes geschehen. Doch die Taliban sind von Jahr zu Jahr stärker geworden. In diesen Wochen konnten sie sogar die Hauptstadt Kabul mitten im Regierungsviertel zur Kampfzone machen.

Das ist für die Gotteskrieger ein Triumph und nicht, wie Richard Holbrooke, der US-Sonderbeauftragte, geschwindelt hat, eine Verzweiflungstat. Holbrooke gilt als beinharter Verhandler. Er kennt den abermals mit Tricks zum Präsidenten gewählten Hamid Karsai. Holbrooke weiß, dass der Paschtune ein gerissener Machtpolitiker ist und westliche Besucher über die wahre Lage immer wieder täuscht.

Jetzt haben die Vereinten Nationen öffentlich festgestellt, dass die wuchernde Korruption das Vertrauen der westlichen Verbündeten mehr und mehr untergräbt, und dass Karsai seine Landsleute in die Arme der Feinde treibt. Rauschgift und Bestechungsgelder, so ein hoher UN-Beamter, seien die beiden größten Einkommensquellen im Land. Die Korruption nannte er eine „erdrückende Steuer“, die den Menschen aufgebürdet wird, die ohnehin in einem der ärmsten Länder der Welt leben.

Karsai wird in London wiederum Lügen auftischen. Zwischendurch beschimpft er seine westlichen Alliierten, um sich bei solchen Landsleuten beliebt zu machen, die zwar niemals wieder eine Talibanherrschaft erleben, aber auch die ausländischen Soldaten nicht als Dauergäste beherbergen möchten. Nicht nur von uns Deutschen wird Karsai mehr Geld und noch mehr Truppen verlangen. Sehr wahrscheinlich wird sich die Bundesregierung dem nicht widersetzen können.

Über Nacht raus aus Afghanistan? Das wäre Karsais Ende und wahrscheinlich die Rückkehr der Taliban an die Macht. Nur ist der Gedanke schwer erträglich, dass auch unsere Männer helfen sollen, einem korrupten Regime das Überleben zu sichern.

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