Kriegskinder kämpfen um Anerkennung
Europa Nachkommen von Wehrmachtssoldaten – Verband fordert eigenes Gesetz
Brüssel - Manche von ihnen wurden jahrelang verflucht, gedemütigt, zurückgewiesen. Viele Nachfahren deutscher Wehrmachtssoldaten aus besetzten Gebieten des Zweiten Weltkrieges saßen zwischen allen Stühlen. Ein Zusammenschluss von sieben nationalen Verbänden will nun ein EU-Gesetz erreichen, das die Rechte der Kriegskinder verbrieft.
Sie haben sich viel vorgenommen, das weiß Gerlinda Swillen. Die 67-Jährige ist Sprecherin des Netzwerks BOW i.n. (Born of War International) und beschäftigt sich mit dem Schicksal belgischer Kriegskinder. In den kommenden Wochen will Gerlinda Swillen bei der Europäischen Kommission einen politischen Prozess ins Rollen bringen, an dessen Ende ein EU-Gesetz stehen soll. Zweierlei soll darin verbindlich festgehalten werden: das Recht auf Staatsangehörigkeit und das Recht auf biologische Identität.
Beides ist nicht selbstverständlich. Swillen erzählt von einer halbwüchsigen Belgierin, die von den Behörden zwangsweise staatenlos gemacht wurde. Das Recht auf Wissen um die eigene Herkunft ist theoretisch im Völkerrecht garantiert.
In Deutschland hilft seit langem die „Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht“, kurz WASt, Kriegskindern bei der Suche. Doch in Frankreich ist der Zugang zu den Archiven häufig schwierig, klagt Swillen.
Und spätestens, wenn Swillen auf Babyklappen und anonyme Samenspenden zu sprechen kommt, wird deutlich: Hier geht es nicht nur um die Vergangenheit.
Einen Teilsieg haben 200 000 französische Wehrmachtskinder im vergangenen Jahr bereits errungen: Ein bilaterales Abkommen mit Deutschland sichert ihnen die doppelte Staatsbürgerschaft, entsprechende Herkunftsnachweise vorausgesetzt.
Doch der Verband BOW i.n. will mehr erreichen: „Wir wollen keine Opfer sein“, sagt Swillen. Und fügt sehr selbstbewusst hinzu: „Im Grunde sind wir die ersten wirklichen Europäer!“
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