Wulff löste mit Rede breites Echo aus
Integration Muslime loben „wichtiges Signal“ – CSU warnt vor Illusionen
Berlin - Mit seinen Aussagen zum Islam stößt Bundespräsident Christian Wulff auf ein geteiltes Echo. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) bezeichnete Wulffs Rede zum Tag der Deutschen Einheit als ein „deutliches und wichtiges Signal“. Der Bundespräsident habe gezeigt, dass Muslime nicht Bürger zweiter Klasse seien, sagte der Vorsitzende des ZMD, Aiman Mazyek.
Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), sprach von einer „beeindruckenden Rede“, mit der der Bundespräsident den „richtigen Ton zur richtigen Zeit getroffen“ habe. Damit werde das Vertrauen zwischen Einheimischen und Migranten befördert. „Integration ist keine Einbahnstraße! Doch für jeden, der diese Werte lebt und achtet, muss Deutschland ein Land der Chancen sein“, sagte die Staatsministerin.
Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke hingegen betonte, dass Deutschland immer noch stark von der christlichen Kultur geprägt sei, „und ich kämpfe dafür, dass wir diese nicht preisgeben“. Die Muslime müssten „die gewachsene Mehrheitskultur in unserem Land respektieren“. Trotzdem sei es ein wichtiges Zeichen, „dass der Bundespräsident den Muslimen die Hand reicht“, sagte Jaschke. Zur Einheit gehöre die innere Einheit, auch mit der Gruppe der Muslime.
Die CSU warnte vor einer Vertuschung von Unterschieden zwischen den Religionen. Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer sagte, Religionsfreiheit dürfe nicht mit Religionsgleichheit verwechselt werden. Mit Blick auf einen EU-Beitritt der Türkei sprach sie von einer Beitritts-Illusion. „Wir sollten eines aus den jüngsten nationalen und populistischen Wellen rund um uns herum gelernt haben: Wir dürfen Europa nicht länger an den Bürgern vorbei weiterentwickeln“, so die CSU-Politikerin.
Islam-Kenner Peter Scholl-Latour zeigte sich verwundert über die Aussagen Wulffs. Zwar erkenne er dahinter eine ehrenwerte Absicht. „Aber wir sind kein muslimisches Land, wir haben eine abendländisch-christlich-jüdische Kultur, die mit dem Islam nicht identisch ist.“
Wulff hatte in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen zu mehr Toleranz gegenüber Einwanderern aufgerufen. Auch der Islam gehöre inzwischen zu Deutschland.
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