OLDENBURG, 20. Februar 2011


Piraterie vor Somalia: Beluga-Schiffe bald bewaffnet

Bremer Reeder schützt Besatzungen – Frachter meiden Gefahrengebiete


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Niels Stolberg (50) ist in Brake aufgewachsen und hat in Elsfleth studiert. In Bremen führt er die Beluga Shipping GmbH mit 500 Mitarbeitern. 72 Frachter mit 1500 Seeleuten fahren für die Reederei. BILD: DPA  Bild vergrößern

Der Reeder schickt künftig bewaffnete Sicherheitsleute an Bord. Sein Frachter „Beluga Nomination“ ist immer noch in der Gewalt somalischer Piraten.

von Frank Jungbluth

Oldenburg - Drei Tote an Bord des MS „Beluga Nomination“, die verbliebenen sieben Besatzungsmitglieder in Todesangst: Für Reeder Niels Stolberg, für dessen Unternehmen Beluga Shipping mit Sitz in Bremen 72 Schwergutfrachter über die Weltmeere fahren, geht es um das Leben seiner Mitarbeiter und ihren Schutz.

„Wir haben vor, von drei Standorten am jeweiligen Festland aus entsprechende Schnellboote auszusenden, auf denen sich dann gut ausgebildetes Sicherheitspersonal befindet, die mit diesem Shuttle Service auf gefährdete Handelsschiffe gebracht werden.“ Damit verändert Stolberg seine Strategie, die er mit weiteren deutschen Reedern Ende des Jahres 2010 der Bundesregierung vorgetragen hat:

Die ursprünglich angedachte Positionierung von Boarding Stationen auf dem Wasser im Roten Meer, südlich von Sri Lanka und nördlich der Seychellen entfalle und werde durch Stationen an Land ersetzt. An den Stationen werden qualifizierte Sicherheitskräfte vorgehalten, die dann zeitnah auf die passierenden Schiffe umsteigen können, damit sie diese begleiten, bevor sie dann am jeweils anderen Ende des Risikogebiets wieder aussteigen.



Stolberg betont, dass der Verband Deutscher Reeder (VDR) diesen Vorschlag, der das Lotsenversetzsystem zum Vorbild habe, unterstütze.

Die Gefangenen an Bord der „Beluga Nomination“ seien traumatisiert, sagt Stolberg. Dieser Vorfall und die Tatsache, dass die somalischen Piraten in den Gewässern am Horn von Afrika immer brutaler und professioneller angriffen, bestärke ihn darin, dass schnell gehandelt werden müsse.

„Diese Schritte erfolgen nicht zuletzt wegen der Tatsache, dass wir von keiner öffentlichen Instanz eine Mitteilung erhalten haben, ob es hoheitlichen Schutz für Frachtschiffe geben wird oder nicht. Bereits vor einiger Zeit hatten wir einen Vorschlag für ein neues Konzept unterbreitet, den wir gemeinsam mit dem Verband Deutscher Reeder dann Ende 2010 in Berlin präsentiert haben. Bis dato haben wir nur insofern eine Rückmeldung erhalten, als dass das Verteidigungsministerium den Vorschlag prüfen wolle“, betont Stolberg.

Wie es den entführten Seeleuten auf der Beluga Nomination geht, weiß der Reeder aus Telefonaten mit den Piraten: „Wie wir den Informationen aus den Gesprächen mit den Piraten entnehmen, sind unsere sieben Besatzungsmitglieder einschließlich Kapitän körperlich gesund, aber psychisch schwer verletzt. Es gibt bedauerlicherweise keinen entscheidenden Fortschritt bei den Verhandlungen.“ Das Schiff werde nach wie vor von den Piraten auf einer Position nahe der Stadt Harardhere in Somalia fest gehalten.

Mehrere Millionen Euro kostet den Reeder eine weitere Sicherheitsmaßnahme. Stolberg lässt alle Beluga-Frachter einen großen Bogen ums Piratengebiet fahren. Die Schiffe steuern einen Kurs um das Kap der guten Hoffnung.

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