BERLIN, 3. Dezember 2011


Vom Schock zur Dauerreform

10 Jahre Pisa Um Bildungsstandards für das Abitur wird immer noch gerungen


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Zum Haareraufen? Die Pisa-Ergebnisse bereiten in Deutschland immer noch viele Sorgen. BILD: dpa  Bild vergrößern

von Karl-Heinz Reith

Berlin - Einige hatten zwar Ungutes geahnt. Dass es aber so schlimm kommen sollte, damit hatte keiner gerechnet. Als vor zehn Jahren (5. Dezember 2001) der erste weltweite Pisa-Test veröffentlicht wurde, zerbrach in Deutschland die Illusion, über eines der besten Schulsysteme der Welt zu verfügen. Der Pisa-Schock löste eine Dauerreform aus. Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.


Niederschmetternd
Das deutsche Ergebnis war niederschmetternd: Schulleistungen im weltweiten Vergleich allenfalls unterdurchschnittlich. Fast jeder vierte 15-Jährige konnte nur auf Grundschulniveau lesen und Texte verstehen und zählte zur Risikogruppe. In Sachen Chancengleichheit gab es für Deutschland die Note sechs. Und auch die Defizite in der Migrantenförderung waren unübersehbar.

Noch am Abend rauften sich die 16 Kultusminister zu einem Katalog mit „7 Handlungsfeldern“ zusammen, die die deutsche Schule wieder aus dem Jammertal führen sollten. Mühsam musste Rheinland-Pfalz“ Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) damals darum kämpfen, dass auch die Ganztagsschule als ein Mittel zur Verbesserung der Schulmisere anerkannt wurde. Heute stehen Ganztagsschule und Ganztagsbetreuung bei allen Parteien ganz obenan.

Das zentrale Reformprojekt der Kultusminister, die Verständigung über einheitliche Bildungsstandards für alle deutschen Schulen, blieb umstritten – zwar nicht im Ziel, aber bei der verbindlichen Umsetzung und Kontrolle vor Ort. Bildungsstandards beschreiben, was ein Schüler am Ende einer bestimmten Jahrgangsstufe können muss.


Auf massiven Druck
Solche einheitlichen Standards gibt es inzwischen für Deutsch und Mathe in der 4. Grundschulklasse, für den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 und für den Mittleren Abschluss nach Klasse zehn. Um Bildungsstandards für das Abitur wird noch gerungen.

Andere politische Eingriffe außerhalb der „Handlungsfelder“ waren zwar spektakulär, stießen aber bei den Eltern auf wenig Gegenliebe. Unter massivem Druck der Ministerpräsidenten mussten die Kultusminister im Westen die Schulzeit bis zum Abitur von 13 auf 12 Jahre verkürzen.


Einige Fortschritte
Gestrichen wurden dafür Unterrichtsinhalte vor allem in der Mittelstufe – angesichts der Pisa-Schwächen der 15-Jährigen für viele Experten ein fragwürdiges Unterfangen. Ohne jede wissenschaftliche Überprüfung wurde zudem in vielen Ländern ein Zentralabitur eingeführt. In Nordrhein-Westfalen und auch anderswo sinkt seitdem die Durchfaller-Quote auffällig – was zumindest Fragen nach einer möglichen Nivellierung aufwirft.

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Allerdings gibt es auch Fortschritte – zumindest in Teilbereichen. Beim vierten Pisa-Testlauf 2009 erzielte Deutschland in Naturwissenschaften und Mathematik Leistungen, die oberhalb des Durchschnitts der 34 wichtigsten Industrienationen der Welt lagen. Einige Interpreten sahen die deutschen Schulen dabei gar schon euphorisch „auf dem Weg zur Weltspitze“.






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