7. Februar 2012


Griechenland-Krise: Die Lage ist ernst

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von Rüdiger Zu Klampen

Das muss man den Griechen lassen: Auch in der allergrößten internationalen Stress-Situation zeigen sie eine – gelinde gesagt – eindrucksvolle mediterrane Gelassenheit: Die Spitzen der Athener Koaltion vertagten dringend erforderliche Entscheidungen über Reformen sowie Zugeständnisse an die internationalen Geldgeber am Montag erst einmal wieder. Das ist eine handfeste Provokation gegenüber der EU, der Europäischen Zentralbank, dem Internationalen Währungsfonds IWF sowie weiteren öffentlichen und privaten Gläubigern – und ist nur mit der prekären innenpolitischen Lage zu erklären. Das zerrüttete, verarmende Land gleicht einem Pulverfass. Die Regierung steht auf schwachen Beinen.

Doch eine Lösung muss jetzt schnell gefunden werden. Die Griechen haben viele Jahre lang deutlich mehr Geld ausgegeben als sie einnahmen. Und das ist auch jetzt noch so: Der Schuldenstand steigt nach wie vor, wie aktuelle Statistiken zeigen. Deshalb liegt es auch auf der Hand, dass das Land binnen weniger Wochen zahlungsunfähig wird, wenn nicht frisches Geld fließt – oder alte Schulden in großem Umfang gestrichen werden.

Dass die Geldgeber dafür Gegenleistungen erwarten, ist doch wohl plausibel – nur stellen sich dieser Binsenweisheit in Griechenland noch längst nicht alle Menschen, auch nicht die Entscheidungsträger. Allerdings würde die Popularität von „Merkozy“ und anderen, die an den Kassen sitzen, bei den Wählern deutlich sinken, wenn sie Geld ohne Gegenleistung geben würden – zu Lasten der Steuerzahler. Man steckt in einer Sackgasse. Die vielen Ideen der vergangenen Tage – von einem Sparkommissar bis zu einem Sperrkonto – zeugen von einer gewissen Ratlosigkeit.

Derweil haben die Extrem-Szenarien, also Austritt aus der Euro-Zone und/oder Staatsbankrott – einiges von ihrem früheren Schrecken eingebüßt. Schließlich rechnen die Banken schon seit längerem Verluste von 70 Prozent und mehr auf die Staatsanleihen in ihren Tresoren durch.

Griechenland muss wieder wettbewerbsfähig werden. Das geht nur mit rigorosen Maßnahmen: mit Sparen, Entschuldung, niedrigeren Preisen oder auch eigener Währung. Die Entwicklung treibt auf das Schlusskapitel zu.

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