Merkel und Sarkozy: Wetten, dass . . ?
Die Kanzlerin wettet auf die Zukunft. Sie platziert ihren Einsatz auf Präsident Sarkozy und darauf, dass er sich im Zweikampf mit dem sozialistischen Bewerber Francois Hollande den Umfragen zum Trotz und dank ihrer Hilfe doch noch für eine weitere Amtszeit qualifizieren möge.
Dass die Kanzlerin allein auf Sarkozy setzt, zeigt aber, wie stark sie unter Druck steht. Denn nur mit dem arg in Bedrängnis geratenen Sarkozy an ihrer Seite kann sie überhaupt die existenziellen Probleme und die lähmende Lethargie vertreiben, die auf dem Projekt Europa lasten.
Mit Hollande, so glaubt die Kanzlerin, würde nur alles wieder aus den Fugen geraten. Dessen Pläne (Fiskalpakt auflösen, noch mehr Geld für Krisenstaaten, weg vom Sparkurs in Frankreich) werden derzeit sogar von deutschen Sozialdemokraten irritiert betrachtet. Die Wette ist aus Merkels Sicht also nicht nur sinnvoll, sondern geradezu geboten – europäische ultima ratio sozusagen.
Von jeher hatte das deutsch-französische Verhältnis eine herausragende Bedeutung nicht nur für diese beiden Länder. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es zunächst um Versöhnung. Mittlerweile dreht sich alles darum, wer die Zukunft Europas formt. Die kontinentale Achse verläuft ohne Zweifel durch Berlin und Paris. Für Deutschland erwächst aus dieser Führungsrolle – 67 Jahre nach Ende des Krieges – eine besondere Verantwortung sowohl für das große Ganze als auch für die Schwächeren in der EU-Familie.
Aus dem zugegeben auf den ersten Blick sehr engen Verhältnis der Kanzlerin zum Präsidenten sollte aber nicht geschlossen werden, Angela Merkel würde nun dem französischen Partner in allen Dingen brav folgen (derzeit eher wohl umgekehrt). So würde sich Sarkozy gegenüber den Schuldenstaaten vom „Club Med“ – Italien, Spanien, Portugal, Griechenland – ja gerne nachgiebiger präsentieren, aber Merkel mag da nicht mitspielen.
In Frankreich wird die Deutsche wegen ihrer scheinbaren Unerbittlichkeit auch „Madame Non“ genannt. Mit ihrer oft so frappierend beherrschten Art – Küsschen hin, Umarmung her – macht sie jedenfalls trotz aller Wahlkampfhilfe nicht den Eindruck, als sei sie von Frankreichs Staatschef inzwischen vollkommen sarkotisiert.
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