Kundus: Regierung erneut belastet
AFGHANISTAN „Gruppe 85“ des Verteidigungsministeriums soll Luftschlag-Darstellung beeinflusst haben
Berlin - Das Verteidigungsministerium hat offensichtlich stärker als bisher bekannt versucht, die Bewertung des Luftschlags bei Kundus zu beeinflussen. Nach Papieren, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegen, wurde nach dem Angriff im September 2009 von dem später entlassenen Staatssekretär Peter Wichert eine „Gruppe 85“ gebildet, die auf die Untersuchung durch die Afghanistan-Schutztruppe (Isaf) reagieren sollte. „Ziel der Gruppe ist, antwortfähig zu sein“, wenn der Isaf-Bericht erscheine, heißt es in den Dokumenten. Die Gruppe beendete ihre Arbeit wenige Tage, bevor Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) das Verteidigungsressort Ende Oktober übernahm.
In den Papieren mit Datum 16. September ist davon die Rede, dass es 100 bis 120 Todesopfer gegeben haben könnte. Offiziell wurde aber in Berlin zu der Zeit von weit weniger Opfern gesprochen – bis Ende Oktober der Isaf-Bericht eintraf. Darin hieß es, dass bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden seien.
In den Papieren wird darauf gedrungen, mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass mit den dann bombardierten Tanklastwagen ein Angriff auf deutsche Feldlager geplant worden sein könnte.
Der entlassene Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan bestätigte am Donnerstag im Kundus-Untersuchungsausschuss die Existenz der „Gruppe 85“.
Bericht/Kommentar, s.4
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