BERLIN, 2. September 2010


Kabinett setzt Rotstift an: Flugsteuer gilt ab sofort

Sparpaket Entscheidung über Belastung der Atomkonzerne fällt erst Ende September – Opposition kritisiert Streichliste


Bild

Jetzt soll kräftig gestrichen werden. BILD: dpa  Bild vergrößern

Der Bundesetat soll bis 2014 um 82 Milliarden Euro entlastet werden. Kritik kommt von Opposition und Sozialverbänden.

dpa

Berlin - Teurere Flugtickets, kein Elterngeld für Hartz-IV-Empfänger, Fragezeichen bei der Atomsteuer: Die Bundesregierung hat am Mittwoch ihr umstrittenes Milliarden-Euro-Sparpaket auf den Weg gebracht. Opposition und Sozialverbände kritisierten, die Streichliste treffe die Schwächsten der Gesellschaft.

Die Entscheidung über eine Steuer für die Atomindustrie von jährlich 2,3 Milliarden Euro wurde vom Kabinett auf Ende September verschoben. Dann soll das Energiekonzept mit längeren Laufzeiten für die Kernkraftwerke vorliegen. Bis dahin verhandelt die Regierung mit den Stromkonzernen über eine Vertragslösung.


Lufthansa warnt
Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erteilte Forderungen nach einer Lockerung des Sparkurses wegen der guten Wirtschaftslage eine Absage. „Es war immer klar, der Kurs wird gehalten.“ Die zur Abwehr der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise aufgenommenen Schulden müssten reduziert werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, gesunde Finanzen seien auch wichtig für die Stabilität des Euro.

Beschlossen wurde eine neue Luftverkehrsabgabe – je nach Entfernung 8, 25 und 45 Euro je Passagier. Die Steuer gilt ab sofort bei Buchungen für Flüge im Jahr 2011 oder später. Der Schuldner ist die jeweilige Fluggesellschaft. Wie und ob die Abgabe an den Kunden weitergegeben wird, ist derzeit offenbar noch unklar. Die Lufthansa warnte vor Nachteilen für deutsche Airlines im internationalen Wettbewerb.


Kritik an der Küste
An der Küste gibt es heftige Kritik an der Abgabe für Kurzflüge zu den Nordsee-Inseln. Vertreter von CDU und SPD hoffen, noch eine generelle Ausnahme durchzusetzen.

Die Gewerkschaften übten scharfe Kritik am schwarz-gelben Sparkurs. Die Ärmsten in der Gesellschaft würden drangsaliert, die Reichen geschont. „Wer bei der Brennelementesteuer kneift, sollte sich schämen, gleichzeitig die soziale Schieflage in diesem Land zu verschlimmern“, sagte DGB-Chef Michael Sommer. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles bezeichnete die Koalitionspläne als Offenbarungseid. „Es ist beschlossene Sache, dass vor allem Rentner, Familien, Arbeitslose und kleine Einkommen für die Sünden der Finanzhaie bluten sollen.“ Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, kritisierte, das Paket sei sozial unausgewogen: „Das fördert die Politikverdrossenheit.“

Das Sparpaket soll den Bundesetat bis 2014 um 82 Milliarden Euro entlasten.

ANZEIGE




 



WEITERE ARTIKEL AUS DIESEM RESSORT
Außenseiter schafft Dreifachsieg

09.02.2012 - Mit einem sensationellen Dreifachsieg hat der ultrakonservative Außenseiter Rick Santorum den Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner für das Weiße Haus wieder spannend gemacht. Der Ex-Senator von Pennsylvania gewann am Dienstag (Ortszeit) die Vorwahlen in den US-Bundesstaaten Colorado, Minnesota und Missouri.mehr

Armee begeht neue Gräueltaten

09.02.2012 - Syriens Regime setzt die Offensive gegen seine politischen Gegner unvermindert fort – auch nach dem Besuch des russischen Außenministers Sergej Lawrow in Damaskus. Allein in der Protesthochburg Homs wurden am Mittwoch nach Angaben von Aktivisten mindestens 68 Menschen getötet.mehr

Unternehmer bezahlte Luxus-Hotel für Wulff

09.02.2012 - Bundespräsident Christian Wulff gerät erneut wegen einer Urlaubsreise mit einem Unternehmer unter Druck. Der befreundete Filmunternehmer David Groenewold soll einen Luxus-Kurzurlaub auf Sylt 2007 zunächst bezahlt und später versucht haben, die Angelegenheit zu vertuschen.mehr

Weitere Helfer von Neonazis? noch möglich

09.02.2012 - Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) schließt nicht aus, dass in Niedersachsen weitere Helfer der Zwickauer Neonazi-Mordzelle entdeckt werden. „Aber ich hoffe, dass Niedersachsen nicht im Zentrum steht“, sagte Schünemann der NWZ.mehr

Zähes Ringen um Lösung für Griechenland

09.02.2012 - Die griechische Regierung will ihr umstrittenes neues Sparpaket endlich auf den Weg bringen.
Am Mittwochabend traf sich der parteilose Ministerpräsident Lucas Papademos mit den Spitzen der drei Regierungsparteien, um deren Unterstützung für den harten Sparkurs zu gewinnen.mehr

Anzeige
Umfrage

Die Bundesregierung will das Punktesystems für Verkehrsverstöße neu fassen. Sollen die Vorschriften verschärft werden?




Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Textfeld! Captcha
Marktplatz
Regional
Immobilien
Automarkt
Flohmarkt

Jobs
NWZ-Wetter
0 °C
-9 °C
Details/Prognose Wetterwarnung Regenradar
 
RSS-Dienste RSS-Dienste | RSS-Dienste Webcams | Mobil | Kontakt | Impressum | Login
AktuellesAus der RegionKundenserviceMarktplatzRat und Tat