Debatte in Kliniken um Abi für Krankenschwestern
Ausbildung EU-Pläne stoßen in Krankenhäusern auf geteiltes Echo – Pius-Hospital: Berufsbild wird aufgewertet – „Verdi“ befürchtet Einbruch der Bewerberzahlen
von Christoph Kiefer Und Gunars Reichenbachs
Brüssel - Wer Krankenschwester werden will, soll künftig in allen EU-Ländern zwölf Jahre lang zur Schule gehen. Das sieht ein Vorschlag vor, den die EU-Kommission am Montag in Brüssel vorgestellt hat. Grund seien die gestiegenen beruflichen Anforderungen. Schon heute seien die zwölf Jahre in 24 Mitgliedstaaten vorgeschrieben. In Deutschland müssten die Regelungen dagegen geändert werden.
Die Pläne stoßen in Krankenhäusern teils auf Kritik, teils auf Zustimmung. Generell begrüßt wird eine Akademisierung der Pflege. Die generelle Beschränkung auf Bewerber mit Abitur trifft dagegen auf Ablehnung. „Wir müssen ein abgestuftes Qualifizierungs- und Tätigkeitsprofil entwickeln“, fordert die Geschäftsführerin des Pius-Hospitals Oldenburg, Elisabeth Sandbrink. Die Kliniken bräuchten akademisch ausgebildetes Personal, aber nicht ausschließlich. Durch eine Reform könnte der Beruf der Krankenschwester attraktiver werden, meint Sandbrink.
Rudolf Mintrop sieht Abitur als Zulassungsvoraussetzung skeptisch. „Das könnte uns ganz schön Probleme machen“, sagt der Geschäftsführer der Städtischen Kliniken in Oldenburg mit Blick auf die Bewerberzahlen. Pflege werde immer differenzierter, deshalb seien Pflege-Studiengänge zu begrüßen. „Aber wir dürfen den Zugang zum Krankenpflegeexamen nicht auf das Abitur begrenzen.“
Auch Robert Hoffmeister befürchtet einen Engpass bei den Bewerberzahlen. „Ich bin gespalten“, meint der Kaufmännische Geschäftsführer der Ammerland-Klinik in Westerstede. „Wir brauchen sehr gut ausgebildete Mitarbeiter.“ Es dürfe aber kein Nadelöhr entstehen.
Die Gewerkschaft „Verdi“ sieht den EU-Vorstoß kritisch. „Wäre Abitur Voraussetzung, hätten wir nur noch 40 Prozent der bisherigen Bewerber für die Alten- und Krankenpflege“, rechnet Gerd Dielmann, Bereichsleiter im Bundesvorstand, vor: „60 Prozent der Interessierten hätten keine Chance, obwohl wir mit den bisherigen Eingangsvoraussetzungen doch über hoch qualifiziertes Personal in Deutschland verfügen.“
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