BERLIN, 5. Januar 2012


Wulff gibt schweren Fehler zu und hält an Amt fest

Bundespräsident „Habe nicht versucht, Berichterstattung zu verhindern“


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Bundespräsident Christian Wulff (links) im Gespräch mit Bettina Schausten (ZDF) und Ulrich Deppendorf (ARD) BILD: dpa  Bild vergrößern

Niedersachsens CDU sieht die Glaubwürdigkeit des Ex-Ministerpräsidenten gestärkt. Die SPD spricht von weiterhin offenen Fragen.

von Xxx Und Marco Seng

Berlin - Trotz immer neuer Vorwürfe denkt Bundespräsident Christian Wulff nicht an Rücktritt. Er habe mit dem Drohanruf bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann einen schweren Fehler gemacht, räumte Wulff am Mittwoch in einem Interview mit ARD und ZDF ein. Er habe aber etwa bei seinem umstrittenen Hauskredit oder den kostenlosen Urlauben bei Freunden nie gegen das Gesetz verstoßen.

„Ich nehme meine Verantwortung gerne wahr“, sagte er. „Ich (...) möchte nach fünf Jahren eine Bilanz vorlegen, dass ich ein guter, erfolgreicher Bundespräsident war.“

Wulff betonte, er habe bei dem Anruf bei Diekmann darum gebeten, den Artikel über seine Hausfinanzierung um einen Tag zu verschieben. „Ich habe nicht versucht, sie (die Berichterstattung) zu verhindern.“ Er bat darum, sein Vorgehen menschlich zu verstehen, auch unter Berücksichtigung der Belastungen für seine Familie.

Dies gelte auch vor dem Hintergrund dessen, was an schmutzigen Fantasien alles im Internet über seine Frau Bettina zu lesen sei.

Zugleich warb der Bundespräsident für Verständnis. „Es gibt auch Menschenrechte – selbst für Bundespräsidenten.“ Er verwies auf seinen schnellen Wechsel vom Posten des Ministerpräsidenten in Hannover zum Amt des Staatsoberhauptes: „Ich musste auch einen Lernprozess machen.“ Zugleich verteidigte er das Darlehen für sein Haus und seine Urlaube bei Freunden und warnte davor, dass kaum jemand mehr Politiker werden wolle, wenn in diesem Zusammenhang alles kritisiert werde. Er wolle nicht Präsident in einem Land sein, in dem man nicht von Freunden Geld leihen könne.

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„Das war ein deutlicher Beitrag, um die Glaubwürdigkeit des Bundespräsidenten wieder herzustellen“, sagte Niedersachsens CDU-Fraktionschef Björn Thümler (Berne) der NWZ in einer ersten Reaktion. Dagegen sieht die SPD noch Erklärungsbedarf. „Es bleiben Fragen offen, die aufgeklärt werden müssen“, sagte der stellvertretende Fraktionschef Hubertus Heil in Berlin. Offen sei etwa, welches Amtsverständnis ein Bundespräsident habe, der kritische Berichterstattung zu unterbinden versuche.

 @ Das Interview unter: http://www.NWZonline.de/interview-wulff




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