Überwachungsstaat nicht mehr weit entfernt
von Marco Seng
FRAGE: Mit Gesichtsscannern können Erkennungsmerkmale – zum Beispiel Augenabstand oder Mundpartie – von jeder einzelnen Person erfasst werden. Wie sind die Aufnahme, Speicherung und der Abgleich biometrischer Daten von Besuchern eines Fußballspiels rechtlich aus der Sicht des Datenschützers zu bewerten?
WAHLBRINK: Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Datenverarbeitung. Hierfür bedarf es einer normenklaren Rechtsgrundlage. Diese muss natürlich verhältnismäßig sein, der Eingriff in das Grundrecht der Stadionbesucher muss also gegen den beabsichtigten Zweck abgewogen werden. Nach den mir bisher vorliegenden Informationen soll der Technikeinsatz dazu dienen, Stadionverbote durchzusetzen. Es stehen also die Grundrechte der Betroffenen lediglich dem Hausrecht des Vereins gegenüber. Man will also verhindern, dass einzelne Personen Hausfriedensbruch begehen. Hierzu allerdings die Grundrechte Tausender zu verletzen, das ist nicht verhältnismäßig.
FRAGE: Gibt es denn überhaupt eine Rechtsgrundlage für diese nun von verschiedenen Seiten erhobenen Forderungen?
WAHLBRINK: Nein, in Niedersachsen gibt es hierfür eindeutig keine Rechtsgrundlage.
FRAGE: Hat die Polizei nicht schon durch die bereits seit langer Zeit praktizierte Videoüberwachung in Fußballstadien die Möglichkeit, bekannte Gewalttäter zu identifizieren?
WAHLBRINK: Richtig, hierzu bedarf es jedenfalls nicht des Einsatzes biometrischer Systeme.
FRAGE: Fürchten Sie in Zukunft eine totale Überwachung in den Stadien?
WAHLBRINK: Die fürchte ich nicht nur in den Stadien. Seit etwa 15 Jahren hat die allgemeine, anlasslose Videoüberwachung des öffentlichen Raumes immer mehr zugenommen. In Stadien, aber auch im öffentlichen Nahverkehr, in Bahnhöfen, auf Weihnachtsmärkten und natürlich in fast allen Geschäften und den Einkaufspassagen der Städte. Sieht man dies im Zusammenhang mit sonstigen Überwachungsmaßnahmen wie zum Beispiel der von den Sicherheitsbehörden immer wieder vehement geforderten Vorratsdatenspeicherung, so kann man feststellen: Der Überwachungsstaat ist nicht mehr weit entfernt. Und es wird unablässig daran gearbeitet, die Gesellschaft – uns alle – daran zu gewöhnen.
- Der Streit um die Gewalt in den Fußball-Stadien spitzt sich zu. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) drohte den Vereinen mit dem verstärkten Einsatz der Polizei. Er forderte ein härteres Durchgreifen gegen Fans, die im Stadion Rauchbomben werfen oder Pyrotechnik zünden.mehr
- Verheerender Selbstmordanschlag im Zentrum von Sanaa: Mindestens 90 Soldaten starben, als sich am Montag in der jemenitischen Hauptstadt ein Attentäter in ihrer Mitte in die Luft sprengte. 200 weitere seien verletzt worden, bestätigten Sicherheitskräfte in Sanaa.mehr
- Ausgelassene Stimmung am Montag in Zetel und Grabstede: Die Boßeler und Klootschießer empfingen ihre erfolgreichen Teilnehmer der Boßel-Europameisterschaft, darunter Frieslands Sportlerin des Jahres Astrid Hinrichs (22, links, Silber Boßeln) und die erst 14-jährige Klootschießerin Lena Stulke (Gold), beide aus Zetel.mehr
- Dekoriert mit mehreren Medaillen, darunter zwei Goldmedaillen im Einzel, kam der 18-jährige Keno Vogts am Montagabend von der Boßel-Europameisterschaft aus Pesaro (Italien) zurück in seinen Heimatort Hollwege.mehr



