Dinkla lehnt Teilzeit-Parlamente ab
POLITIK Niedersachsens Landtags-Präsident warnt vor Demokratieabbau und Beratungsstau
Hannover - Vernünftige Landespolitik ist nicht mit Teilzeit-Abgeordneten zu erreichen. Dessen ist sich der Präsident des niedersächsischen Landtags, Hermann Dinkla (CDU), sicher. „Die Umwandlung von Landtagen in Teilzeit-Parlamente wäre ein Demokratieabbau“, sagte Dinkla in Hannover.
Auch das große Arbeitspensum wäre dann nicht mehr zu schaffen. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) hatte in dieser Woche erklärt, dass in seinem Land eine Teilzeitregelung wie in Berlin und Hamburg denkbar sei.
„Gerade in Flächenländern wie Niedersachsen wäre das definitiv der falsche Weg“, sagte Dinkla. Es sei nicht realistisch, dass etwa ein Arzt oder ein Mittelständler neben der Arbeit genügend Zeit für die zeitintensive Parlamentsarbeit finde. Viele Menschen würden so von vorne herein von der parlamentarischen Arbeit ausgeschlossen.
Für Dinkla könnten Teilzeit-Parlamente auch ihre Kontrollfunktion gegenüber den Landesregierungen nicht ausreichend wahrnehmen. So werde in diesem Jahr auch Baden-Württemberg ein Vollzeitparlament bekommen. Böhmers Argument, dass die Abgeordneten nicht mehr so viele Dinge entscheiden müssten, sieht er nicht – im Gegenteil.
„Im Zuge der Föderalismusreform haben die Parlamente heute wesentlich mehr Arbeit als früher“, betonte Dinkla. Die Parlamentarier müssten sich mit viel mehr Rechtsfragen, etwa zur Bildung oder zum Strafvollzug sowie einer Vielzahl von EU- Gesetzgebungen beschäftigen. „Die Länder-Parlamente sind die Ideenschmieden der Politik,“ sagte der Landtagspräsident.
Teilzeit-Parlamente kämen der Arbeit nicht mehr hinterher. „Schon jetzt schieben die Landtage einen großen Beratungsstau vor sich her“, sagte Dinkla. Dieser würde sich dann noch verstärken und die Demokratie schwächen. „Und das können wir doch nicht wollen.“
Auch das Argument, die Bundesländer könnten mit der Umstellung auf Teilzeit-Parlamente viel Geld sparen, will der 67-Jährige nicht gelten lassen. Parlamentarismus koste zwar Geld. „Allerdings stört mich der Ansatz, dass Abgeordnete in unserem Land nur Kostenfaktoren sind“, betonte Dinkla. Die Gehälter der Abgeordneten in Niedersachsen machten gerade einmal 0,03 Prozent des Landeshaushalts aus.
- Zur Bekämpfung von Internetkriminalität ist die Zahl der zuständigen Staatsanwälte in Niedersachsen auf 17 erhöht worden. Zusätzlich zu speziell geschultem Personal in Hannover gebe es seit Jahresbeginn auch in den Staatsanwaltschaften Göttingen, Osnabrück und Verden gebündelte Kompetenzen gegen Cyberkriminalität, teilte das Justizministerium mit.mehr
- Die Staatsanwaltschaft Hannover will Informationen über eine Reise von Christian Wulff prüfen. Im Herbst 2007 hatte Filmunternehmer David Groenewold für Wulff und dessen spätere Frau Bettina einen viertägigen Hotelaufenthalt auf Sylt bezahlt.mehr
- Die erste Karnevalsparty hat Ministerpräsident David McAllister bereits hinter sich. Die Lindener Narren in Hannover feierten ihn als Ehrensenator. „Kommt jetzt nicht wieder mit dem Vorwurf der Ämterhäufung“, scherzte der CDU-Politiker.mehr
- Das Land Niedersachsen will künftig im Grenzdurchgangslager Friedland mehr Asylbewerber unterbringen. Bis zum Jahresende soll die Zahl der Plätze laut Innenministerium in Hannover von 350 auf 500 erhöht werden.mehr
- „In jedem Menschen schlummert ein Künstler“, glaubt Christoph Rust. Darum lud er Menschen auf der Straße ein, spontan 60 Sekunden zu zeichnen und ein Foto zu machen. Die Ergebnisse sind jetzt im Schloss Landestrost in Neustadt am Rübenberge zu sehen.mehr


