AHLHORN/HANNOVER, 24. September 2010


Ahlhorn: Kranke Puten bringen Ministerin in Not

Tierhaltung Vorwürfe gegen Grotelüschen – Betrieb in Cloppenburg betroffen


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Erneute Vorwürfe: Astrid Grotelüschen BILD: DPA  Bild vergrößern

von Marco Seng

Ahlhorn/Hannover - Die Einschläge kommen näher. Niedersachsens CDU-Agrarministerin Astrid Grotelüschen (Ahlhorn) steht nach neuen Vorwürfen der Tierschutzorganisation Peta wieder unter Druck. Diesmal geht es allerdings nicht um Mastputenställe im fernen Mecklenburg-Vorpommern, sondern direkt vor der eigenen Haustür.

Peta präsentierte am Donnerstag in Hannover Filmaufnahmen von kranken, verendenden und toten Mastputen. Die Aufnahmen sollen Anfang September in zwei Mastställen in Cloppenburg und Höltinghausen aufgenommen worden sein, die von der Putenbrüterei der Familie Grotelüschen beliefert werden. Die Tierschützer filmten nachts in hell beleuchteten Ställen. Mehrere tausend Tiere stehen dicht gedrängt. Immer wieder kommen kranke oder verletzte Puten ins Bild. Auch einige tote Vögel sind zu sehen. Es soll sich um eine „Qualzucht“-Rasse handeln, die auf Gewicht getrimmt wird.

Peta sprach von eklatanten Verstößen gegen den Tierschutz und forderte den Rücktritt der Ministerin. „Sie ist eine Lobbyistin der Massentierhaltung“, sagte Stefan Bröckling von Peta. Die Organisation hat nach eigenen Angaben Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg erstattet.

Die Ministerin und ihr Ehemann wehrten sich gegen die neuen Vorwürfe. Die Ministerin sprach von „altem Wein in neuen Schläuchen“. In jeder Massentierhaltung könne es verletzte und tote Tiere geben. „Die Form der Auseinandersetzung ist für mich nicht akzeptabel“, sagte die CDU-Politikerin dieser Zeitung. Grotelüschens Ehemann Garlich, Geschäftsführer der Mastputen-Brüterei Ahlhorn, will die betreffenden Betriebe nicht mehr mit Küken beliefern, wenn sich die Vorwürfe bestätigen. Er habe bei der Staatsanwaltschaft um Akteneinsicht gebeten. Das Veterinäramt des Landkreises Cloppenburg hat nach eigenen Angaben bei Kontrollen in beiden Putenbeständen Mitte September keine Verstöße festgestellt.

Die Landtags-Linken forderten erneut den Rücktritt der Ministerin. Die Grünen sprachen sich für schärfere Tierschutzgesetze bei der Geflügelhaltung aus. Die jetzt veröffentlichten Bilder hätten gezeigt, dass Tierquälerei in der industriellen Putenhaltung eher die Regel als die Ausnahme ist, erklärte Grünen-Fraktionsvize Christian Meyer. Die gefilmten Ställe gehören laut Peta zu einem Mastbetrieb aus der Putenerzeugergemeinschaft Ahlhorn, an der die Putenbrüterei der Familie Grotelüschen 7,5 Prozent hält. Die Ministerin war bis zum 31. Januar 2010 im Unternehmen ihres Mannes beschäftigt. Wegen eines anderen Falles steht sie seit Wochen in der Kritik.

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